Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 31.01.2009
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie leicht vergesslich man doch im täglichen Leben ist.

Was einem heute noch wichtig und erwähnenswert erscheint, ist vielfach am nächsten Tag schon wieder Schnee von gestern. Am darauf folgenden Tag sind derartige Ereignisse dann schon wieder vergessen.

Ursache dieses Kurzzeitgedächtnisses ist unsere hektische Zeit verbunden mit einer Flut an Medieninformationen die auf uns jeden Tag einrieseln.

Vorgestern war es noch der Krieg im Gazastreifen, gestern noch das Konjunkturpaket II und heute HSV gegen Bayern, die zu meiner großen Freude 1:0 verloren haben. Und was war vor dem Krieg zwischen Israel und den Hamas? Ertappt! War es die Autokrise, Obama, oder was?

Egal! Denn viel schlimmer ist, dass exakt auf diese Kurzlebigkeit von Ereignissen in den Köpfen der Bürger die Politik und die Medienvertreter setzen.

Wer denkt heute noch an das Wahlversprechen der CDU die Steuern nicht zu erhöhen? Und dann erhöhte die große Koalition doch und zwar auch noch höher, als es die SPD vor der Wahl angekündigt hatte.

Die gleichen Konsorten stehen heute im Blickpunkt der Öffentlichkeit und fordern ernsthaft (!), dass dem Bürger "Mehr Netto vom Brutto" bleiben soll, damit endlich die Binnenkonjunktur wieder anspringt. Erinnern sich meine Leser noch an die Parole von Merkel, Beck & Co.: "Mehr Netto vom Brutto!"

Es sind diese "ehrenwerten Herrschaften" gewesen, meine lieben Leser, die erst kräftig dem Bürger in die Tasche gegriffen haben, so dass er nichts mehr ausgeben konnte, und sich nun öffentlich als Unschuldslämmer hinstellen, dass sie als Politiker für diese Situation überhaupt nichts können (!), aber nun für Abhilfe sorgen wollen.

Wer redet heute noch von "Mehr Netto vom Brutto"?

In der Zwischenzeit greift die neue Krankenversicherungsreform und der Einheitskrankenversicherungsbeitrag wurde ab 01.01.2009 für jeden Arbeitnehmer fällig. 15,5 Prozentsatz schlagen nun zu Buche, was für 9 von 10 Arbeitnehmern "Netto weniger vom Brutto" bedeutet!

Schon vergessen, liebe Leser? Merken meine Leser, wie man von den Politikern und den Medien, die eine derartige Sauerei nicht vernünftig aufgearbeitet haben, still und heimlich über den Tisch gezogen wird?

Und dann schauen wir uns dazu auch noch einmal das Konjunkturpaket II einmal näher an, weil es so schön zu diesem Thema passt.

Eins dieser wundersamen Milliarden verschlingender Maßnahmen ist, den Krankenversicherungsbeitrag um 0,6 Prozent zu senken.

Man muss sich diese öffentliche Volksverdummung der Politiker einmal vor Augen halten. Erst hat diese Bundesregierung dem Bürger rund 160 Milliarden zusätzliche Steuern seit Beginn dieser Legislaturperiode aus der Tasche gezogen, dann fordern die gleichen "Helden" die Bürger müssen "Netto mehr vom Brutto" haben, um anschließend den Krankenversicherungsbeitrag für jeden Bürger um rund 2 Prozent ab 01.01.2009 zu erhöhen! Und zu guter Letzt senken die gleichen "Experten" den Krankenversicherungsbeitrag um 0,6 Prozent ab 01.07.2009, den sie ein halbes Jahr zuvor, wie bereits erwähnt, um rund 2 Prozent erhöht hatten. Damit noch nicht genug. Denn anschließend muss man diese Blender auch noch öffentlich in jeder Tageszeitung und auf jedem Sender ertragen, wo sie ihre Lügenmärchen als Wohltaten unter das Volk bringen.

Und die Experten der Wirtschaftsinstitute jubeln, was den Politikern denn da für ein riesengroßer Wurf zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft gelungen ist. Mit dieser Maßnahme wird man die Finanz- und Wirtschaftskrise weltweit mit Sicherheit erfolgreich bekämpfen, meine lieben Leser. Und wer hierbei Böses denkt, der kommt nicht in den Himmel … meinen zumindest Politiker und Medienvertreter!

Es tut mir Leid, liebe Leser, aber dieser Milliardenverschwendung von Steuergeldern kann ich nichts abgewinnen.

Sind wir einmal ehrlich, was haben uns die Konjunkturpakete weltweit bisher gebracht, außer dass die Staatsverschuldung in den jeweiligen Ländern astronomisch in die Höhe geschnellt sind?

O.K., die Bankenbürgschaft der Bundesregierung in Höhe von 500 Milliarden hat dazu geführt, dass nicht gleich jeder Sparer zur Bank gehoppelt ist, um seine paar "Peanuts" abzuheben, wodurch ein Staatsbankrott verhindert wurde. Dies war zugegeben eine vernünftige Aktion der Politiker, die auch ausnahmsweise schnell über die Bühne ging.

Aber was ist bisher sonst von unseren Konjunkturfördermaßnahmen in Milliardenhöhe geblieben, die nun in eine Rekordverschuldungshöhe endet, was bisher einzigartig in unserer deutschen Geschichte ist?

Wir haben nach wie vor unter den Banken keinen nachhaltigen Geldfluss und Unternehmen gehen reihenweise Pleite auf Grund von Auftragsrückgängen und mangelnder Kreditzusagen durch die Banken. Darüber hinaus fordert die Hypo Real Estate Bank weitere Milliarden im vier Wochen Takt, um nicht Pleite zu gehen. In Amerika ist ein Wirtschaftrückgang von 4 Prozent zu beklagen und Chinas Wirtschaftsaufschwung ist um die Hälfte eingebrochen, was einer mittleren Katastrophe für dieses Schwellenland bedeutet.

In Deutschland meinte Herr Steinbrück (SPD) bis November noch, dass die Wirtschaft um 1,25 Prozent ansteigen würde. Im Dezember waren es nur noch 0,2 Prozent Plus und nun im Januar 2009 sind es bereits 2 Prozent Minus. Im Bundestag zur Verabschiedung des Konjunkturpaketes II meinte unser "Superfinanzminister", Herr Steinbrück, dass er noch kein "Licht im Tunnel" erkennen könne! Ich bin schon jetzt gespannt, was für ein Wirtschaftswachstum wir im Februar von diesen "Superhelden" gemeldet bekommen!

In der Zwischenzeit steigen die Arbeitslosenzahlen auf 3,4 Millionen an. Und wer glaubt, dass dies nur Saisonal bedingt zu tun hat, der soll schön weiter träumen, wie Her Kaulvers als Chef der Bremer-Landesbank, dass Norddeutschland gut aufgestellt sei und so gut wie nichts von der Weltwirtschaftskrise mitbekommen wird.

Auch mit der "Abwrackprämie" tue ich mich schwer!

Erst einmal frage ich mich, wieso gibt es keine Abwrackprämie für Einbauküchen und Polstermöbel? Könnten Politiker nicht auch für die Notleidende Schuhindustrie eine Abwrackprämie für abgelaufene Schuhe erlassen? Oder wie wäre es mit einer Abwrackprämie für hart gewordene Brötchen für die Bäcker, die ihre Backwaren auf Grund der Wirtschaftskrise nicht mehr loswerden. Schön wäre auch eine Abwrackprämie für die Notleidende Mineralölindustrie und die Energieversorger, die Preiseinbrüche wegen der Weltwirtschaftskrise zu beklagen haben, dass mir das Herz vor Mitleid blutet.

Natürlich sind derartige Abwrackprämien, wie ich sie hier als Beispiel angeführt habe, dummes Zeug. Aber warum wird die Autoindustrie mit einer Abwrackprämie bedacht und die übrige Industrie schaut in die Röhre? Wo, liebe Leser, besteht der Unterschied zwischen der Autoindustrie und dem Rest der Wirtschaft?

Natürlich bringen 2.500,00 Euro Abwrackprämie Kunden in die Autohäuser. Ist doch keine Frage. Wenn jeder Möbelhändler vom Staat 2.500,00 Euro für jede neue Küche auf Staatskosten dazugeben könnte, wäre jedes Möbelhaus brechend voll. Das ist doch kein Kunststück!

Nur welchen Sinn macht eine derartige Abwrackprämie?

Deutsche Autohändler bauen keine günstigen Autos unter 10.000,00 Euro, die von den Autokäufern, die nun die Abwrackprämie in Anspruch nehmen, in erster Linie bevorzugt gekauft werden.

Was heißt das für unsere heimische Wirtschaft?

Es werden hauptsächlich ausländische Fahrzeuge gekauft. Sofern deren Produktionsstätten in Deutschland liegen, werden hier auch die Arbeitsplätze für die herstellende Industrie neben den Arbeitsplätzen in den Autohäusern gesichert. Klar ist jedoch auch, dass die Abwrackprämie weitestgehend ins Leere läuft, wenn die Autoproduktion im Ausland liegt. Hier stärken wir mit deutschen Steuergeldern Produktionsstätten im Ausland und die deutsche Automobilindustrie schaut in die Röhre! Staatssubventionen in ganz neuer Qualität! Dagegen ist selbst Brüssel machtlos!

Der Witz ist nun sogar, dass Autohäuser, wie mir zugetragen wurde, ihre Rabatte bis zu 40 Prozent auf ihre Neuwagen vor der Abwrackprämie komplett eingestellt haben sollen und nun nach Liste ohne Rabatte verkaufen. Die Verbraucher kaufen nun wie blöde, geblendet von einer dämlichen Abwrackprämie, und der Autohändler freut sich auf Grund einer verbesserten Rendite pro verkauftes Fahrzeug, weil er keine Rabatte mehr geben muss. Man glaubt es nicht, was für eine Schlafmütze der deutsche "Michel" doch ist!

Die Frage bleibt, ob 4 Milliarden auf Pump (!) gerechtfertig sind, bei einer derartig miserablen Bilanz? Ich meine nicht!

Verbleiben da noch die Milliarden für die Sanierung von Schulen und Strassen.

Davon einmal abgesehen, wann diese Maßnahmen tatsächlich greifen, wenn man sich vor Augen hält, wie lange und wie mühsam es in den Verwaltungsgremien vielfach dauert, bis die Entscheidungsprozesse endlich nach zermürbenden Endlosdebatten gefunden wurden, frage ich mich, ob ein Kübel voll Sand mit einer Schippe Zement zusammen mit einer Karre voll Teer ausreichen, um eine so gewaltige Weltwirtschaftskrise aufzuhalten. Ich weiß nicht wie es meine Leser sehen, aber ich habe da so meine Zweifel. Das kommt mir so vor, als wenn einer sich mit einer Steinschleuder einer wild gewordenen Elefantenherde in den Weg stellt und ernsthaft meint, sie aufhalten zu können!

Und so wie ich es sehe, scheint es auch zu kommen. Denn bisher geht es mit unserer Wirtschaft weiterhin steil bergab.

Traurig bei der ganzen Geschichte ist weiterhin, dass erst eine Weltwirtschaftskrise kommen muss, damit unsere maroden Schulen, wie man nun aus den Medien erfahren konnte, endlich saniert werden. Jahrelang wurden derartige Sanierungsmaßnahmen wegen chronischen Geldmangels über Jahrzehnte verschoben und nun auf einmal geht alles mit einem einfachen Fingerschnippen.

Grandios bis atemberaubend, wie so etwas über Nacht alles möglich wurde.

Vor einem halben Jahr haben sich unsere heimischen "Politprofis" noch an unseren Ministerpräsidenten Chr. Wulff gewandt, um einen Zuschuss für die Schulsanierung der Everkampschule hier vor Ort zu erhalten, was ohne mit der Wimper zu zucken in Hannover abgelehnt wurde. Und nun über Nacht geht's. Nur leider für Wardenburg nicht, weil sie das Pech haben, inzwischen mit der Sanierungsmaßnahme an der Everkampschule begonnen zu haben. Ein Traum!

Tja, da bleibt nur noch die "Kopfpauschale" pro Kind in Höhe von 100,00 Euro. Die soll nun alles rausreißen, was Banker für einen Flurschaden weltweit angereichtet haben. Ein Albtraum, was keiner weiteren Kommentierung bedarf!

Insgesamt ist auch dieses Konjunkturpaket ein verbrennen von Steuergeldern im ganz großen Stil. Und wer glaubt, dass derartige Maßnahmen ernsthaft greifen, der wird sich noch wundern, mit welchen riesengroßen Meilenstiefeln die Wirtschaftskrise über uns hinweg stiefeln wird und unsere niedlichen "Konjunkturpäckchen" zusammengetreten werden, als wenn sie nur mit reinster Luft gefüllt wären.

Puff … und weg waren die Milliarden.

Wer glaubt, dass ich mit meiner Einschätzung der Wirtschaftslage in Deutschland in dieser Ausgabe, wie auch in meiner letzten Ausgabe falsch liege, sollte die NWZ Ausgabe vom 29.01.2009 lesen.

In dieser Ausgabe hat der Professor Joachim Starbatty einen Gastbeitrag im Wirtschaftsteil der NWZ veröffentlicht der nahezu fast deckungsgleich ist, wie meine letzte Veröffentlichung.

Beim Lesen dieses Beitrages kam mir immer mehr in den Sinn, ob Herr Prof. Joachim Starbatty wohl meine Veröffentlichung als Grundlage für seine Einschätzung der weltweiten Wirtschaftslage verwendet hat.

Die Niedrigzinsen in den USA als Auslöser der Immobilienkrise, waren ebenso als Argument der aktuellen Lage vom Professor J. Starbatty in seinem Bericht aufgeführt worden, wie das Leben auf Pump, Kreditkartenblase, Konjunkturpakete sind schwarze Löcher in denen unsere Steuergelder verschwinden, explodierende Staatsverschuldung, Nullzinspolitik der US-Zentralbank, Einbrechen des Exports, stagnierender privater Konsum als Folge der steigenden Sozial- und Steuerabgaben, Realeinkommen der Bürger in den letzten zehn Jahre nicht mehr gestiegen, Steuersenkungen für die Bürger als Konsummotor, etc..

Am besten die Leser lesen meine letzte Ausgabe und anschließend die Ausgabe vom Professor Joachim Starbatty. Die Leser werden feststellen, dass die Wirtschaftsanalysen Deckungsgleich sind. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass ich bereits in der letzten Woche diese Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage abgegeben haben!

Eine klatschende Ohrfeige für den Bremer-Landesbank-Chef Kaulvers und seinem Interviewpartner Rolf Seelheim, Chefredakteur der NWZ, die den Bürgern einreden wollten, dass alles nicht so schlimm kommen wird, wie es gesagt und geschrieben wird.

Richtig ist, dass man auch in dieser Zeit nicht alles kaputt reden sollte. Aber man sollte auch nicht alles in den Himmel loben, wo Vorsicht und Augenmaß angesagt ist.

Es ist bereits schlimm und es wird noch dicker kommen. Schlauschnacker, die diese Krise herunterspielen wollen, um aus reinem Zweckoptimismus ihr Schäfchen ins Trockene zu bekommen und dabei nicht davor zurückschrecken, noch weitere ahnungslose Bürger in den Abgrund zu stürzen, hat dieses Land schon genug!

Mit freundlichem Gruß

-Brandhorst-

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