|
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell engl. Schriftsteller |
Auf ein Wort liebe Wardenburger |
Ab sofort
können Sie sich die Ausgaben ausdrucken und bequem im Sessel lesen.
Allerdings ist dies nur ohne hinterlegte Links möglich. |
|
Uwe Brandhorst Wardenburg, den 26.09.2009 Auf ein Wort liebe Wardenburger! Ist es meinen Lesern auch schon aufgefallen, dass wir immer mehr positive Wirtschaftsmeldungen erhalten, je näher der Wahltermin heranrückt? Eigenartig ist nur, dass die positiven Wirtschaftsprognosen der "Experten" mit der Realität vor Ort so gar nicht ins Bild passen! Widersprüchliche Aussagen der verschiedenen Wirtschaftsinstitute werden von den Medien veröffentlicht, dass sich ein neutraler Beobachter die Frage stellen muss: "Wer verschaukelt eigentlich hier wen?" Auf der einen Seite vermelden die Wirtschaftsinstitute es geht mit der Wirtschaft wieder bergauf, auf der anderen Seite vermeldet die Wirtschaft einen Exporteinbruch real von Januar bis Juni 2009 von aufgelaufenen 23,5 Prozent, was nach Kriegsende in dieser negativen Größenordnung für die Bundesrepublik Deutschland bisher einzigartig war. Gleichzeitig sinken die Einfuhren für die Bundesrepublik Deutschland real um 18,2 Prozent Wie geht das? Auf der einen Seite wird die Konsumlaune der Verbraucher im hohen Masse gelobt und als maßgeblicher Konjunkturmotor für das Binnenland beschworen, was 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht und auf der anderen Seite stiegen die Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr um 15,9 Prozent an und die Unternehmenspleiten im ersten Halbjahr 2009 um 14,8 Prozent an. Ist es nicht so, dass der Verbraucherkonsum seit Jahren (!) auf einem äußerst niedrigen Niveau basiert? Wieso dann diese Euphorie bei dem Verbraucherkonsum in den Medien? Ist damit ein Teil unserer niedrigen Produktionsauslastung von rund 75 Prozent in unserer Wirtschaft zu erklären? Die Frage stellt sich, wie bei solchen Zahlen Unternehmen überhaupt noch Gewinne erzielen können und daraus resultiert die logische Folgerung, welche Investitionen sind bei ausbleibenden Gewinnen überhaupt noch für die Wirtschaft möglich? Wie können Wirtschaftsinstitute von Aufschwung für das Jahr 2010 bei 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum zum Vorjahr 2009 reden, wenn wir gleichzeitig im Jahr 2009 zu 2008 ein Wirtschaftsminus von voraussichtlichen runden fünf Prozent zu beklagen haben werden, wenn man den Wirtschaftsinstituten glauben schenken darf? Fakt ist doch, dass selbst bei einem Wirtschaftswachstum von voraussichtlichen 1,5 Prozent für dass Jahr 2010 die Bundesrepublik Deutschland im Verglich zum Jahr 2008, vor der Finanzkrise, immer noch ein Minus zu verzeichnen hat von satten 3,5 Prozent, wenn man runde 5 Prozent Wirtschaftsminus für das Jahr 2009 zum Vorjahr 2008 voraussetzt! Wie können bei dieser aufgezeigten Faktenlage vermeintliche Wirtschaftsexperten und Politiker bei 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum für das Jahr 2010 euphorisch in die Hände klatschen und in Jubelgesänge verfallen? Dabei stellt sich immer noch die Frage, ob die nun prognostizierten Wirtschaftszahlen von Minus 5 Prozent für das Jahr 2009 bzw. Plus 1,5 Prozent für das Jahr 2010 kommen werden? Wir hatten auch schon Wirtschaftsprognosen, die voraussagten, dass die Finanzkrise keine Auswirkung auf die Wirtschaft haben werde. Anschließend begann ein Wettlauf der Wirtschaftsexperten mit den unterschiedlichsten Wirtschaftsprognosen von bis über sechs Prozent Minus! Da fragt man sich schon, was man von solchen hoch bezahlten Prognosenjongleuren zu halten hat und ob die Medien deren Angaben nicht überprüfen bevor diese Daten an die Öffentlichkeit weitergegeben werden. Wäre früher ein Wirtschaftsminus von einen oder zwei Prozent für die Bundesrepublik zu Buche geschlagen, wäre dies für die Opposition im Bundestag Anlass genug gewesen, die Bundesregierung in Schutt und Asche zu reden. Wir beklagen nicht ein bis zwei Prozent Wirtschaftsminus, sondern unglaubliche 5 Prozent Wirtschaftsminus für das Jahr 2009 und voraussichtlich weitere 3,5 Prozent Wirtschaftsminus für das Jahr 2010, wenn man das Wirtschaftsjahr 2008 vor der Wirtschaftskrise zu Grunde legt! Ich frage mich, was ist daran super gelaufen aus Sicht der Bundesregierung und zu welchen Preisen haben wir uns dieses Minus erkämpft? Stichwort: Konjunkturprogramme und Staatsverschuldung! Und die große Frage wird sich doch noch stellen, ob die von den Forschungsinstituten vorausgesagten 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum zum Krisenjahr 2009 tatsächlich kommen werden? 3,4 Millionen Kurzarbeiter werden über kurz oder lang zum größten Teil entlassen werden und auf den Arbeitsmarkt drücken, sofern die Weltwirtschaft nicht dauerhaft (!) in Gang kommt, wovon man bisher noch nicht ausgehen kann, wenn man sich die Wirtschaftsdaten weltweit vor Augen hält und ihnen glauben schenken darf! Jeder Arbeitslose kostet dem Staat durch Steuerausfälle und Kosten für die Zahlung von Arbeitslosengeld rund 20.000,00 Euro im Durchschnitt pro Jahr. Die Bundesanstalt für Arbeit hat bereits für das Jahr 2010 zusätzliche 20 Milliarden Zuschüsse bei der Bundesregierung angemeldet. Die Verschuldung steigt weiter. Apropos Verschuldung. Sie beträgt aktuell 1,6 Billionen Euro, was ein Zinsaufkommen von rund 25 Prozent des Gesamthaushaltes für das Jahr 2010 ausmacht. Wie viel Gestaltungsraum bleibt da den Politikern noch? Kommunen vermelden Gewerbesteuereinbrüche (7,1 Milliarden Euro) für das laufende Jahr 2009 in Höhe von bis zu 40 Prozent (Berlin)! Öffentliche Aufträge für die Industrie dürften angesichts dieser drastischen Zahlen für die nähere Zukunft ein Wunschtraum bleiben. Alleine Niedersachsen beklagt eine Rekordneuverschuldung von 4,6 Milliarden bei einem Haushaltsvolumen von 25 Milliarden Euro für das Jahr 2010 (Jeder fünfte Euro Ausgabe auf Pump!) und für das Jahr 2009 im Nachtragshaushalt weitere 2,3 Milliarden Euro auf Grund der internationalen Finanzkrise und die damit verbunden Steuerausfälle, so Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Und dann kommt der Bremer Landesbank Chef Kaulvers um die Ecke geschlendert und verkündete im Dezember 2008 in einem halbseitigen NWZ Interview, dass der Norden unsere Region beim Abschwung nicht so tief fallen wird, weil unser Unternehmer angeblich so gut aufgestellt sind. In einem weiteren Interview vom 24.09.2009 in der NWZ sieht Herr Kaulvers sich mit seiner Prognose aus dem Dezember 2008 voll bestätigt! Ich frage mich: "Herr Kaulvers, wieso hat der niedersächsische Finanzminister, Hartmut Möllring, nur die höchsten Steuerausfälle aller Zeiten zu beklagen und führt dies auf die Finanzkrise und die damit verbundene Wirtschaftskrise zurück? Niedersachsen gehört doch wohl in unsere Region, die laut Ihrer Aussage beim Abschwung nicht so tief fallen sollte, oder?" Man glaubt es nicht, was für selbsternannte "Möchtegern-Experten" in der NWZ nicht nur Gehör finden, sondern ihre Kaffeesatzleserei auch noch anschließend in gedruckter Form im Wirtschaftsteil der NWZ wieder finden können, damit Leser diesen Unsinn auch noch glauben, nur weil es in der NWZ stand! Und dann gibt es da auch noch eine weitere Bank mit dem Namen "LzO", die ihren Auszubildenden ein Zeitungs-Abo der NWZ für ein Jahr kostenlos finanzieren, um das "Allgemeinwissen ihrer jungen Mitarbeiter zu fördern"! Na dann man gute Nacht Deutschland, kann ich dazu nur noch sagen! Wenn unsere "Säulen der Wirtschaft" sich über die NWZ Allgemeinbildung aneignen sollen, dürfte es um unsere Zukunft düster bestellt sein, wie ich meine! Dass angesichts dieser Rekordverschuldung der NWZ Chefredakteur, Rolf Seelheim, zu dem Ergebnis kommt, dass die CDU Landesregierung für diese Finanznot nichts kann, lässt den aufmerksamen Lesern mit Grips schon verwundert die Augen reiben beim Lesen dieses Kommentars in der NWZ! Denn wenn die Landesregierung, um ihren Landesfürst Christian Wulff, mit besten Kontakten in die Bundesregierung um Merkel, Steinmeier, Steinbrück & Co. hierfür lt. Herrn Seelheim nichts kann, die es versäumt hatten den Banken entsprechende Fußfesseln anzulegen, damit sie nicht in Casinomanier mit anvertrauten Geldern weltweit herumspekulieren können, wer kann denn dann etwas dafür, dass wir in diese finanzielle Notlage gekommen sind? Es ist einmal mehr nicht zu fassen, wie hier die NWZ durch ihren Chefredakteur Rolf Seelheim, als angeblich "unabhängige überparteiliche" Tageszeitung, für meinen Geschmack einmal mehr einseitig Partei ergreift zu Gunsten der CDU. Ob umgekehrt die Kommentierung des NWZ Chefredakteurs Rolf Seelheim auch so ausgefallen wäre, wenn Niedersachsen eine SPD Landesregierung gehabt hätte? Können meine Leser sich folgende Headline auf der Titelseite der NWZ vorstellen: "Rekordverschuldung in Niedersachsen, aber die SPD kann nichts dafür!" Uwe Brandhorst |