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Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell engl. Schriftsteller |
Auf ein Wort liebe Wardenburger |
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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 24.09.2010 Auf ein Wort liebe Wardenburger! "Wir brauchen Journalisten, die Verantwortungsbewusstsein zeigen, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind." Könnte von uns sein dieser bemerkenswerte Satz. Ist er aber nicht! Gesagt hat diesen Satz unser Bundespräsident Christian Wulff in einer Rede zur Eröffnung der neuen Zentralredaktion der Deutschen Presse-Agentur. "Wir brauchen Journalisten, die Verantwortungsbewusstsein zeigen, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind." Wenn wir sie brauchen, stellt sich die Frage: "Haben wir keine Journalisten mit Verantwortungsbewusstsein, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind, so dass ein Bundespräsident die Notwendigkeit darin sieht, sie einzufordern?" Es ist doch eigenartig, dass ein Bundespräsident in der Höhle des Löwen Verleger dazu auffordert Journalisten mit derartigen Eigenschaften, die im Übrigen in unseren Augen eigentlich als Selbstverständlichkeit in dieser Branche gelten sollten (!), zu stellen. Die stellvertretende Sprecherin des Bundespräsidenten, Petra Diroll, ergänzte die Aussage des Bundespräsidenten Christian Wulff mit den Worten: "Mit Verlässlichkeit ist gemeint, dass die Nachricht stimmen muss, die am Ende herauskommen muss." "Wie bitte, Herr Bundespräsident Christina Wulff?" Die Nachricht muss am Ende stimmen! Eigentlich geht der mündige Leser einer Zeitung davon aus, dass die Nachricht die er liest auch stimmt, oder? Aber ist das was der Leser immer liest auch tatsächlich in der Realität richtig? Oder anders gefragt: "Laufen Nachrichten vielfach den Ereignissen nicht einfach nur hinterher und erfüllen viel zu wenig die eigentliche journalistische Aufgabe dem drohenden Unheil warnend vorab in ihren Zeitungen anzukündigen, damit sich die Öffentlichkeit besser auf diesen Missstand vorbereiten kann?" Was wollen wir damit sagen? Wir erleben es immer wieder, dass der heutige Journalismus eigentlich nur noch hinterher berichtet, aber viel zu wenig auf drohende Probleme energisch rechtzeitig hinweist. Erst wenn das Problem da ist, wird öffentlichwirksam berichtet. Wird nicht anders herum ein Schuh daraus? Beispiel: Wenn in Asse über Jahrzehnte (!) Atomfässer "lose verkippt" wurden, wie es im Fachjargon so schön heißt, wieso ist das keinem Journalisten viel früher aufgefallen? Wie kann es angehen, dass Atomfässer in Asse eingelagert wurden, dessen Inhalte zum Teil bis heute unbekannt sind? Wenn Atomfässer für eine Million Jahre angeblich sicher sein sollten, wie es uns die Politik und die Atomindustrie über Jahre vorgaukelt haben, wieso kann es jetzt Schwierigkeiten bei der Bergung der Atomfässer in Asse geben, weil man heute weiß, dass die Fässer stark beschädigt sind und die Lagerungsstätte Asse stark einsturzgefährdet ist? Wo waren über Jahrzehnte die Journalisten und haben derartige Fragen nicht gestellt? Da werden geheime Sitzungen im Bundeskanzleramt geführt und diese Sitzungen sind noch gar nicht beendet, aber die Journalisten wissen bereits, was hinter den Kulissen im Bundeskanzleramt für Absprachen unter dem Siegel "Top Secret" getroffen wurden. Aber über Jahrzehnte haben Journalisten nicht gewusst, was in Asse unter Tage abläuft? Da laufen Arbeiter Tag ein, Tag aus in die Salzstockbergwerke und kein Journalist hat einmal nachgefragt: "Was passiert da unten eigentlich?" Anderes Beispiel. Da leitet die Stadt Wilhelmshaven seit Jahren 3.750 Kubikmeter Fäkalien nach jedem heftigen Regen wegen drohender Überlastung der Mischkanalisation in den Jadebusen ein und 500 Meter weiter baden ahnungslose Bürger im Meerwasser, wobei die Stadt Wilhelmshaven diesen Teilabschnitt des Strandes auf ihrer Internetseite als "Schokoladenseite" den Touristen weltweit anpreist. Lösungsvorschlag des Problems durch die Stadt Wilhelmshaven: "Besser man baut statt dessen einen Damm vor dem Badestrand", empfiehlt Tiefbau-Ingenieur Hartmut Ulrich. "Die Einleitungen würden darum herum geleitet in die offene Jade", sagt weiter Herr Ulrichs. Was für ein Traum! Der Kleine Mann von nebenan bekommt den größten Ärger, wenn er seinen Wagen mit einer Seifenlauge am Straßenrand wäscht und dabei die Abwässer in den Regenkanal abfließen lässt. Hier geht eine Stadtverwaltung bei und lässt mal eben nach jeden starken Regen 3.750 Kubikmeter Fäkalien in den Jadebusen ab. Als Warnung für die badenden Gäste aus ganz Deutschland wird eine rote Fahne gehisst! Das ist in unseren Augen tiefstes Mittelalter! Kommentierung der NWZ: Das Problem ist lange bekannt. Sind das die Journalisten, die Verantwortungsbewusstsein zeigen, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind? Wohl kaum! Was seit Jahren bekannt ist hätte in der NWZ entsprechend groß herausgestellt werden müssen und solange darüber berichtet werden müssen, bis die Stadt Wilhelmshaven unter dem Druck der Presse und der sich anschließenden Öffentlichkeit die erforderlichen Sanierungsmassnahmen umsetzt. Eine Mauer zu ziehen bzw. die rote Fahne in den Wind zu stellen ist ja wohl ein Armutszeugnis für die Stadt Wilhelmshaven ohne Gleichen! Und dann sagt NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim auf dem Kongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV): "Wir haben uns entschieden, sehr tief ins Lokale zu gehen." "Offensichtlich haben ihre Lokalredakteure in Wilhelmshaven so tief getaucht, dass sie die Fäkalieneinleitungen der Stadt Wilhelmshaven über Jahre nicht gerochen haben und meinten, dass es sich hierbei um ein kleines Kavaliersdelikt handelt dem man nicht energisch genug nachgehen muss, Herr NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim!" Dazu passend die weitere Aussage des NWZ Chefredakteurs Rolf Seelheim auf dem BDZV- Kongress: "Lokale und regionale Zeitungen hätten die wichtige Funktion, Missstände vor Ort aufzudecken." "Nicht nur in diesem konkreten Fall, Herr NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim, klaffen zwischen Ankündigung und dem tatsächlichen "Ist-Zustand" in Ihrer Zeitung Welten!" Dazu passend folgende Meldung vom Presserat: "Die Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung erhielt eine nichtöffentliche Rüge für die Berichterstattung über ein Familiendrama. In dessen Verlauf tötete der Familienvater seine zwei Kinder und seine Frau. Der Bericht enthielt Fotos der beiden minderjährigen Opfer sowie der Eltern. Somit wurden alle drei Opfer sowie der Täter identifizierbar. Zusätzlich wurde auch das Haus der Familie abgebildet, zudem wurde der Straßenname genannt. All diese Details gingen nach Auffassung des Beschwerdeausschusses über das öffentliche Interesse hinaus und verletzten die Ziffer 8, insbesondere 8.1 Pressekodex." Quelle: http://www.presserat.info/inhalt/dokumentation/pressemitteilungen/pm/article/mehr-schutz-fuer-opfer/339.html
Wie sagte es der NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim noch so schön: "Wir haben uns früh entschieden, sehr tief ins Lokale zu gehen." "In der Tat, Herr NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim, tiefer ging es
wohl nicht mehr!" Für uns nichts Neues! Lokale Berichterstattung hier vor Ort hat nichts mehr mit Enthüllungsjournalismus zu tun, sondern ist eher unter dem Begriff "Kuschelberichte" zu verbuchen, wo der Leser nicht mehr viel nachdenken muss, sondern nur noch niveauloses zu lesen bekommt. Hier ein Auszug von Überschriften an zwei Tagen aus der Lokalberichterstattung vor Ort, wo Herr Chefredakteur Rolf Seelheim meint: "Zeitungen hätten die wichtigste Funktion, Missstände vor Ort aufzudecken." Headlines im Lokalteil Wardenburg vom 31.08.2010: Schlauchbootwettkampf fordert Körper und Geist. Headlines im Lokalteil Wardenburg vom 04.09.2010: Sein Name ist Programm Bei solchen Headlines da hat man einfach keine "Obertöne" mehr, sondern fragt sich ernsthaft: Wen interessiert solch ein Mist, außer diejenigen Personen die im Pressebericht direkt erwähnten werden? Da bekommt die Aussage von Herrn Seelheim vor dem BDZV für den lokalen Leser der NWZ einen ganz neuen Blickwinkel: "Wir haben uns früh entschieden, sehr tief ins Lokale zu gehen." Wer so tief hinabsteigt, Herr Chefredakteur Rolf Seelheim, der kann auch nur aus der Froschperspektive berichten. Aus den Erfahrungen hier vor Ort können wir dem Bundespräsidenten Christian Wulff nur zustimmen, wenn er fordert, dass wir Journalisten mit Verantwortungsbewusstsein brauchen, denen man vertrauen kann, die verlässlich und glaubwürdig sind. Was man uns hier jeden Tag an journalistischen Fastfood von Seiten der NWZ serviert, reicht höchsten dazu aus, um damit im Winter den Kamin anzufeuern oder auf dem Wochenmarkt damit die Kartoffeln einzuwickeln. Lesenwert ist nach unserer Meinung die lokale Berichterstattung der NWZ schon lange nicht mehr, oder wen interessiert es, ob eine Italienerin Kartoffelpuffer liebt bzw. wo die Welt der Obertöne liegt? Euer Uwe Brandhorst
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