Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 19.03.2010
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

"Wirtschaft erwacht aus Winterschlaf."
"Konjunktur blüht im Frühjahr wieder auf."
"Auf zu neuen Ufern."
"Konjunkturelles Tauwetter."
"Wider die Konjunkturpessimisten."

Es kann ja gar nichts mehr schief gehen, wenn man solche Headlines in den Zeitungen liest!

Die Zeichen der Zeit stehen klar auf Wachstum!

Die Prognostiker prophezeien uns rosige Zeiten. Lassen wir also die Sektenkorken knallen. Die Weltwirtschaftskrise hat ein Ende. Es lebe der grenzenlose Optimismus und schickt die Pessimisten in die Wüste.

Oder vielleicht doch nicht?

Wieso wollen wir nicht so recht an derartige positive Wirtschaftsmeldungen glauben?

Die Antwort liegt auf der Hand.

Wirtschaftsexperten hatten für Deutschland positive Zukunftsprognosen für das Jahr 2009 selbst noch zu dem Zeitpunkt abgegeben, als die Immobilienkrise in den USA bereits in voller Fahrt war.

Wir erinnern uns an die "Wirtschaftsexperten" die ernsthaft noch am Jahresende 2008 die Meinung vertraten, dass die Wirtschaftkrise der USA die deutsche Exportwirtschaft nicht treffen werde.

Das Gegenteil war der Fall. Der einstige "Exportweltmeister" wurde von allen europäischen Ländern am härtesten getroffen und auf Platz zwei hinter China verwiesen!

Mit wenigen Ausnahmen haben alle Wirtschaftsexperten eine vollkommene Fehleinschätzung der weltweiten Wirtschaftlage abgegeben!

In Amerika gingen Immobiliekredite reihenweise hoch, dessen Absicherungen in deutschen Banktresoren lagen. Aber Wirtschaftsexperten sahen dieses drohende Unglück nicht auf die deutsche Wirtschaft und die Banken zukommen.

Hoch bezahlte Scharlatane mit Schlips und Kragen die den Wald vor lauter Bäumen nicht sahen und ganz einfach ihren Job nicht gemacht hatten, indem sie der Wirtschaft und den Banken das drohende Unheil vorhersagten.

Heute im nachhinein hätte jeder Laie gesehen, wenn es dessen Job gewesen wäre, solche Kokosnuss großen Anzeichen einer sich abzeichnenden Finanzkrise in einem überschaubaren Berg von erdnussgroßen sonstigen "Wirtschaftsproblemchen" zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Wir sprechen hier ja nicht von einem Ereignis, dass über Nacht auf die deutsche Wirtschaft niederging, sondern um eine über Jahre (!) fehlgeleitete Immobilienpolitik in Amerika, die durch günstige Gelder der amerikanischen Banken potenziellen Immobilienkäufern erst ermöglicht wurde, die sich den Kauf einer Immobilie auf Grund ihres Einkommens eigentlich hätten gar nicht leisten können.

Mit anderen Worten: Wäre über Nacht ein Krieg in einem wirtschaftlich bedeutendem Land ausgebrochen, ein Terroranschlag wie am 11.09.2001 in Amerika oder ein Meteorit auf die Erde eingeschlagen, wodurch das Klima nachhaltig verändert worden wäre, ist jedem klar, dass prognostizierte Wirtschaftsdaten der Experten über Nacht hinfällig geworden wären.

Bei dieser Wirtschaftskrise war es jedoch vollkommen anders. Hier war der Konsumentenverbrauch in Amerika über Jahre künstlich nach oben gepuscht worden die jeder Wirtschaftsprognostiker hätte sehen müssen, was da in Amerika schief gelaufen war und welche Auswirkungen diese fehlgeleitete Entwicklung für die Weltwirtschaft hätte haben müssen.

Nichts dergleichen haben diese hoch bezahlten "Kaffeesatzleser" gesehen!

Da stellt sich einem doch schon die Frage: "Wer so eine Tsunamiwelle noch nicht einmal sieht, will jetzt einen kleinen Wellengang vorhersehen?"

Beispiel!

In der Financial Times vom 05.03.2010 war nachzulesen, dass " (…) die Investitionen auch im vierten Quartal 2009 nicht - wie noch im Dezember prognostiziert - um einen Prozent gestiegen sind, sondern stattdessen um 2,3 Prozent gesunken sind (…)."

Um es einmal klar zu stellen: Das vierte Quartal endet bekanntlich am 31.12. eines jeden Jahres und diese "Vollprofis waren im Dezember (!) noch nicht einmal in der Lage abzuschätzen, ob die Investitionen im laufenden Quartal des letzten Monats (!) bei plus eins oder minus zwei liegt?

Wir meinen, dass, wenn Wirtschaftsexperten Prognosen im Kommabereich schon abgeben müssen, sich aber dann um 3,3 Prozent verschätzen, sie entweder ihren Job nicht verstehen bzw. sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie überhaupt, angesichts dieser niederschmetternden Faktenlage, noch gebraucht werden, wenn sie so mit ihren Prognosen daneben liegen?

Klar, es sind nur nominal 3,3 Prozent die unsere Wirtschaftsexperten daneben gelegen haben. Prozentual sind es aber immerhin 330 Prozent!

Was wollen wir mit solchen Prognosen bzw. was wollen wir mit solchen "Experten" auf denen Teile der Politik und der Wirtschaft ihre zukünftigen Haushalte ausrichten?

Wer sich auf diese "Wirtschaftsprofis mit ihren Glaskugeln" verlässt, ist verlassen.

Wir fragen uns ohnehin, wie man überhaupt in der Lage sein will, seriöse Wirtschaftsprognosen zurzeit abgeben zu können, bei derartig globalen Entwicklungen bzw. Risiken, die wir bisher weder kannten noch abschätzen können?

Lassen wir Fakten sprechen:

Griechenland ist pleite. Für viele Wirtschaftsexperten hat dies keine Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft, obwohl viele deutsche Banken Kreditgeber für Griechenland sind und wir auch keine unerheblichen Wirtschaftsbeziehungen nach Griechenland, z.B. in der Rüstungsindustrie, unterhalten.

Es ist schon interessant die Meinung als Wirtschaftsexperte zu vertreten (!), dass ein ganzer europäischer Staat ruhig Pleite gehen kann, dies aber keine Auswirkungen haben soll, auf unsere Wirtschaft, zumal durch die Globalisierung alle Staaten weltweit wirtschaftlich, kulturell etc. mit einander verbunden sind, so dass man davon ausgehen sollte, dass wenn ein Land fällt dies auf alle anderen Länder so oder so Auswirkungen haben müsste.

Sei es drum!

Was ist jedoch, wenn Länder, wie Italien, Portugal, Spanien, England oder Irland die ebenfalls kurz vor einem Staatsbankrott stehen, ebenso wie Griechenland Pleite gehen?

Es mag ja sein, dass die deutsche Wirtschaft den Ausfall von Griechenland noch auffangen kann. Aber auch alle übrigen "Schwellenländer in die Pleite"?

Ausgeschlossen ist auch nicht, ob und ggf. wie viele Unterstützungsmilliarden Deutschland, bei einem drohenden Staatsbankrott Griechenlands, eventuell an unseren europäischen Nachbarn zahlen soll, könnte oder vielleicht auch muss? Welche Auswirkungen haben derartige Zahlungen auf unseren Haushalt, etc.? Und wie wirken sich Staatspleiten auf eine Wirtschaftsprognose bzw. Prognosenberechnung aus, die es bis heute noch nicht gegeben hat?

Wissen wir überhaupt, welche Auswirkungen die gigantischen Verschuldungen aller Staaten, zur Verhinderung der jetzigen und für die Zukunft noch anstehenden Weltwirtschaftskrisen, auf die Weltwirtschaft haben werden?

Diese gigantischen Verschuldungen haben die Handlungsfähigkeit der einzelnen Regierungen erheblich eingeschränkt. Wie wirken sich diese Einschränkungen auf die Weltwirtschaft aus und wie will man diese neuen Gegebenheiten in einer Prognose berücksichtigen?

Der erzielte Exportüberschuss ist ein Verdienst der deutschen Wirtschaft. Aber unter anderem auch deshalb, weil neben einer guten Qualität unserer Produkte wir sie über Niedriglöhne und durch befristete Arbeitsverträge erwirtschaften konnten.

Andere Länder haben inzwischen diesen erfolgreichen Weg der deutschen Unternehmer erkannt und sind dabei diesen Weg zu kopieren. Sollte das Ausland hierbei Erfolg haben, stellt sich die Frage, in wie weit sich dieses Nachahmen des Auslandes auf unsere Exportwirtschaft auswirken wird? Wie prognostizieren Wirtschaftsexperten eine derartige Entwicklung?

Die niedrigen Arbeitslosenzahlen sind unter anderem deshalb zustande gekommen, weil viele in teuren Arbeitsamtsmaßnahmen stecken, wie Kurzarbeit, Umschulungsmaßnahmen, usw. Aber auch deshalb sind unsere Arbeitslosenzahlen bisher im Vergleich zum Ausland geringer, weil viele Beschäftigte in Zeitarbeitsverträgen stecken, in Leiharbeitsverhältnissen, sowie geringfügig beschäftigt sind.

Sollte die deutsche Wirtschaft nicht anspringen und das Kurzarbeitergeld nicht verlängert werden, welche Auswirkungen haben die Unternehmer dann auszustehen? Wie wirken sich solche und weitere Kürzungen des Arbeitsamtes und der Politik auf unsere Wirtschaft aus oder auf eine seriös ermittelte Wirtschaftsprognose?

Eine entscheidende Rolle auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft werden auch die Banken spielen.

Sofern die Banken ihr Wohl eher darin sehen billige EZB Gelder von 1 Prozent Zinsen in Staatsanleihen mit einer Verzinsung von 6 Prozent zu stecken, als Kredite zu vergeben an Wirtschaftsunternehmen die investieren wollen und müssen, um am globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, dürfte die Pleitewelle in der deutschen Wirtschaft noch mehr an Fahrt gewinnen, als sie zur Zeit ohne hin schon hat. Es fehlt nach wie vor an einer politischen Regelung, damit Banken die niedrigen Gelder der EZB für Kredit suchende Unternehmer verwenden und nicht selber gewinnbringend anlegen. Daher fragt man sich zu recht: Wie wirkt sich die Kreditklemme weiterhin auf die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland aus und in wie weit kann man derartig nachteilige Entwicklungen in einer Wirtschaftsprognose einfließen lassen?

Schöne Grüße an dieser Stelle auch noch an Herrn Kaulvers von der Bremer Landesbank, der ernsthaft in einem NWZ Interview meinte, dass die Unternehmen in Niedersachsen die Wirtschaftskrise schon nicht so hart treffen werde und man gut aufgestellt sei. Das vorläufige Endergebnis für Niedersachsen lautet: Anstieg der Firmenpleiten für Niedersachsen um 12,2 Prozent im Jahr 2009 zum Vergleich des Vorjahres!

Ein absolutes Unding sind die "ruhenden Hände" der Politikverantwortlichen die zwar in der Lage sind im Jahr 2009 49 Milliarden Neuverschuldung zu beschließen und im Jahr 2010 weitere 80 Milliarden bei einer Gesamtverschuldung von aufgelaufenen 1,7 Billionen Euro, aber wegen der kommenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfallen nicht sagen wollen, wo sie denn sparen wollen. Jeder vierte Euro den die Politik ausgibt ist auf Pump und jeder zehnte Euro geht inzwischen in die Zinstilgung!

Angesichts dieser Faktenlage fragen wir uns, was wird da auf die Kommunen, den Verbraucher und die Unternehmen zukommen bzw. welche Auswirkungen werden die nicht mehr in der Diskussion stehenden absolut notwendigen Sparmaßnahmen auf die Binnen- und Exportwirtschaft haben? Wie will man solche bisher einzigartigen politischen Entwicklungen im Vorfeld für die weitere Wirtschaftsentwicklung richtig einschätzen und dementsprechend prognostizieren?

Natürlich könnte man nun noch weitere Aspekte anführen, wie leicht beeinflussbar Prognosen einer zukünftigen Wirtschaftsentwicklung sind.

Aber alleine dieser Einblick, der in dieser Veröffentlichung dem Leser aufgezeigt wurde, dürfte ausreichend sein, dass alle Wirtschaftsprognosen höchsten einen äußerst vagen Ausblick abgeben können, wie unsere Wirtschaft sich zukünftig entwickeln könnte.

Auf dem Jahrmarkt würde man solche "Hokuspokusakteure" als hoch bezahlte Kaffeesatzleser bezeichnen, wo man eher das Gefühl hat, dass man sein Geld aus dem Fenster geworfen hat, als das man nach so einer "Glaskugelveranstaltung" der Wahrheit etwas näher gekommen ist.

Glauben sollte man solchen vermeintlichen "Expertenmeinungen" auf gar keinen Fall, sondern eher dem gesunden Menschenverstand vertrauen und auf sein Bankkonto sehen, ob man eine Investition umsetzt kann oder auch nicht.

Denn es gilt noch immer der alte Grundsatz der auch bei der Erstellung von Wirtschaftsprognosen gilt: Wer die Rechnung bezahlt, bestimmt auch was für eine Musik die Kapelle spielt.

Frei nach dem Motto: "Wie soll die Prognose denn ausfallen gnädiger Herr oder Frau Bundeskanzlerin?"

Euer

Uwe Brandhorst

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