Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

aktualisiert am:

15.04.2012

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 14.04.2012
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

An was für Themen sich manchmal die Menschen so ereifern können bleibt uns immer ein Rätsel.

Da, wo wir glauben, es müsste eigentlich ein Aufschrei in der Gesellschaft geben, vernehmen wir eine unglaubliche Stille.

Und da, wo wir glauben, das interessiert ohnehin niemanden, beginnt auf einmal eine lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit, wo man sich fragt, wie kann man sich nur mit so einem geistigen Müll öffentlich auseinandersetzen?

Beispiel!

Seit mehreren Monaten echauffiert sich eine große Anzahl von Oldenburger Bürgern über die Aufstellung einer Bronzestatue.

Gezeigt wird der legendäre und über die Landesgrenzen weit bekannte Graf Anton Günther, den einstigen Reichsgraf von Oldenburg und Delmenhorst.

Aufgestellt werden sollte diese Bronzestatue auf dem Schlossplatz mitten in Oldenburg vor dem Schloss.

Da diese Bronzestatue mit dem Bildnis des Grafen Anton Günther hoch zu Ross von einem Gönner an die Stadt Oldenburg im Werte von 100.000 Euro gestiftet wurde, dürfte man als Außenstehender meinen, hier gibt es keine Probleme, höchstens die Beantwortung der Frage, an welchem genauen Standort auf dem Schlossplatz die Bronzestatue aufgestellt werden sollte?

"Weit gefehlt, liebe Leser! Da kennen Sie die Oldenburger Bürger schlecht!"

Erhitzte Gemüter streiten sich nun darüber, ob dieses gestiftete Denkmal mit dem Grafen hoch zu Ross überhaupt in Oldenburg aufgestellt werden sollte.

Seitenweise Leserbriefe über das Für und Wider einer möglichen Aufstellung dieses Reiterstandbildes wurden bereits in der NWZ Zeitung veröffentlicht und der Strom an Zuschriften reißt ganz offensichtlich nicht ab, da immer weitere Leserbriefe von der NWZ Redaktion veröffentlicht wurden.

3.000 Unterschriften haben die Befürworter um Harald Götting von den Oldenburger Bürgervereinen für dieses ehrwürdige Reiterstandbild inzwischen sogar gesammelt!

Man ist nahezu fasziniert über soviel Tatendrang und Eifer, was erwachsenen Mitmenschen für so ein, im Grunde genommen popeliges (!), Reiterstandbild aufbringen, egal von welcher Seite man als neutraler Beobachter diese einzigartige Oldenburger Episode betrachtet!

Es fand inzwischen sogar eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Vertretern der einzelnen Kontrahenten statt, die obendrein ihren bisherigen Höhepunkt darin fand, dass diese Diskussionsrunde mit dieser atemberaubenden Thematik sogar von NDR 1 Niedersachsen live übertragen wurde!

Sogar die Politik schaltete sich ein und lehnt die Aufstellung dieses Reiterstandbildes vor dem Schloss mit der Begründung ab, weil diese Skulptur angeblich die "Verherrlichung eines Regenten aus vordemokratischer Zeit sei".

"Schließen wir nun alle Museen und stürmen alle altertümlichen Bronzedenkmäler im öffentlichen Raum von denkwürdigen Feldherren, etc., weil sie im Verruf stehen, als undemokratische Zeitgenossen verherrlicht zu werden?"

Ein Reiterstandbild und ganz Oldenburg steht Kopf!

Nun könnte man ja als Otto Normalverbraucher, der zugegeben nun nicht der absolute Kenner in der Kunstszene ist, verstehen, wenn sich der eine oder andere Bürger über so manch ein anderes "vermeintliches" Kunstdenkmal ebenso aufgeregt hätte, als über dieses Reiterstandbild, was doch, zumindest nach unserem persönlichen Empfinden, nicht nur historisch zu Oldenburg passt, sondern auch ein recht ansehnliches "Kunstwerk" darstellt, womit auch wir, als vollkommen uninteressierte "Kunstbanausen", etwas anfangen können.

Denn so manches "Kunstwerk", was obendrein auch noch mit Steuergeldern finanziert wurde und man sich als Unwissender der Kunstszene ernsthaft die Frage stellt, was an manch einem "Kunstwerk" denn so künstlerisch dargestellt wurde (!), hätte eigentlich eher einen Grund der Empörung bei den Bürgern auslösen müssen, was jedoch offensichtlich von diesen streitlustigen "Gesellen der Kunstszene" für uns, aus bisher unerklärlichen Gründen, ausblieb!

Hier zwei exemplarische Beispiele in Oldenburg und Wardenburg, wo man sich ernsthaft fragt:

"Handelt es sich hierbei um Kunst oder um einen Schrotthaufen von verrosteten Eisenteilen die jemand beim Aufräumen seiner Garage an die Strasse gestellt hat, aber die Firma Springer - für Diejenigen die es nicht wissen: Oldenburger Schrottfirma für Altmetall- vergessen hat, abzuholen!

 

Abschließend kann man nur zu folgendem Ergebnis kommen:

Würden wir der Gönner dieser 100.000 Euro teuren Statue sein hätten wir schon längst die Konsequenzen wie folgt gezogen:

"Reiterstandbild einschmelzen und die eingeschmolzene Bronze beim nächsten Schrotthändler zum Verkauf anbieten, sowie jede weitere persönliche Anfrage vor Ort beim Stifter, bezüglich einer Spende jeglicher Art für die Bürger der Stadt Oldenburg, achtkantig aus dem Haus schmeißen!"

Und gleichzeitig versammelt sich der Mopp in Emden vor dem Polizeirevier und fordert lautstark die Herausgabe eines 17-jährigen Tatverdächtigen, um ihn zu lynchen, nachdem im Internet dazu aufgerufen wurde.

Tja, liebe Leser, gemeint sind ausdrücklich auch die Oldenburger Reiterstandbildstreiter (!), und dann war es dieser 17-jährige Tatverdächtige gar nicht!

Dumm gelaufen!

Ein 17-jähriger unschuldig von Bürgern gelyncht, sofern man dem Emder Mob nachgegeben hätte, aber die Aufstellung eines Reiterstandbildes auf dem Oldenburger Schlossplatz erfolgreich verteidigt!

Man könnte das Gefühl haben, dass hier die Verhältnisse etwas aus dem Ruder gelaufen waren, … wie bereits gesagt: Etwas!

Und dann diese Pharisäer, die sich nun zu Tausenden in Emden versammelt hatten, ob Politik oder Bürger, und dazu aufriefen, dass im Internet keine Hassparolen und Verleumdungen mehr verbreitet werden.

Und zu diesen Pharisäern zählt für uns auch ausdrücklich die NWZ Redaktion in der Chefetage!

Es wird in den Medien und von den verantwortlichen aus der Politik, aber auch von Seiten der Polizei der fälschliche Eindruck erweckt, als sei das Internet einzig und allein dafür verantwortlich, dass ein Unschuldiger gelyncht werden sollte.

Um es einmal klar zustellen:

"Das Internet stand nicht vor der Polizeiwache und forderte lautstark nach der Herausgabe des 17-jährigen Tatverdächtigen, der im Übrigen inzwischen vollkommen unschuldig drei Tage im Gefängnis saß, um ihn zu lynchen."

"Es waren erwachsene Bürger, wie Sie und wir, liebe Leser!"

Wir standen zwar nicht aktiv vor dem Polizeirevier und haben mitgeschrien, aber wir haben passiv anteilnahmslos daneben gestanden und der Lynchjustiz ihren Lauf gelassen!

Das ist der Fehler eines jeden Einzelnen von uns gewesen, und hierzu zählen auch wir uns ausdrücklich mit, der entweder über die Medien, oder über das Internet gelesen hatte, bzw. vielleicht sogar live vor Ort in Emden es miterlebt hat, wie der Emder Mob die Herausgabe des 17-jährigen Unschuldigen verlangte, um ihn zu lynchen.

"Und wir, als vermeintlich unbeteiligte Beobachter, standen mehr oder weniger daneben und haben nichts dagegen aktiv unternommen!"

Sich jetzt hinzustellen und den Unschuldigen zu mimen, wie es unter anderem auch die NWZ Redaktion in ihrer Tageszeitung tat, die obendrein in ihrer Berichterstattung sogar den Straßennamen des unschuldigen Tatverdächtigen unverblümt nannte, wie es die Mediensendung "ZAPP" in ihrem Fernsehbericht behauptete, und somit dem Emder Mob erst recht Tür und Tor zur Selbstjustiz eröffnete, ist an Heuchelei kaum zu überbieten.

Name und Anschrift, so hieß es weiter in dem NWZ Bericht vom 29.03.12 wären bereits im Internet im vollen Umfang veröffentlicht worden.

Der Emder Mopp bedankt sich im Voraus bei der NWZ Chefredaktion!

Es hätte von Seiten der NWZ Chefredaktion klar und deutlich auf der Titelseite die Aussage
kommen müssen (!), dass niemand in unserem Rechtsstatt, egal ob schuldig oder unschuldig (!), gelyncht werden darf und Diejenigen, die hierzu aufrufen bzw. sich aktiv beteiligen, indem sie sich vor einem Polizeirevier versammeln und die Herausgabe eines Tatverdächtigen oder sogar schuldig gesprochenen Täter fordern, um ihn zu lynchen, strafrechtlich, mit allen Mitteln unseres Rechtsstaates, zu verfolgen sind.

"Das ganze untermauert mit einer entsprechenden Kommentierung auf Seite 4 Ihrer Tageszeitung, meinen Damen und Herren von der NWZ Chefredaktion!"

"Mit einer Aussage in Ihrem Kommentar, sehr verehrte Frau Schneider-Schelling, dass "das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf. Auch hier haben gesellschaftsrechtliche Regeln zu gelten, die eingehalten werden müssen", war es in unseren Augen auf jeden Fall nicht getan!"

Denn das Internet ist und war bisher nie ein rechtsfreier Raum, wie es uns die NWZ Redakteurin Gaby Schneider-Schelling versucht einzureden und damit, zumindest nach unserer Meinung, nur davon ablenken will, dass es unter anderem die NWZ gewesen ist, die in ihrer Berichterstattung, wie bereits erwähnt, mehr oder minder den Wohnort des unschuldigen 17-jährigen Tatverdächtigen genannt hatte, wie es die "ZAPP" Reportage behauptet hat, und den Emder Mob nicht in ihrer Tageszeitung, die NWZ, dazu aktiv aufrief, die Aufforderung zur Lynchjustiz zu unterlassen bzw. die Ordnungskräfte öffentlich dazu aufforderte ihres Amtes zu walten.

Sich anschließend hinzustellen und für die Eskalation dieses schrecklichen Ereignisses, dessen trauriger Höhepunkt, neben dem Tod von Lena, die aktive Forderung vor dem Polizeirevier in Emden war einen Menschen zu lynchen, die Hände nun von Seiten der NWZ Redaktion in Unschuld zu waschen, ist ein weiterer Skandal im Mord- und Lynchskandal!

Wir alle Wissenden haben auf die eine oder andere Art und Weise, mancher mehr und mancher weniger, jämmerlich versagt, weil wir zugeschaut haben und nicht aktiv eingegriffen haben, als der Emder Mopp die Herausgabe des unschuldigen 17-jährigen vor dem Polizeirevier verlangte, um ihn zu lynchen.

Wir entschuldigen uns öffentlich bei dem 17-jährigen jungen Mann nichts getan zu haben und manch einem, der bisher meinte er wäre unschuldig an diesem Lynchskandal, sollte über diese Zeilen einmal ernsthaft darüber nachdenken, wie viel Anteil an der Mitschuld zur Lynchjustiz an dem unschuldigen 17-jährigen er bzw. sie selbst hatte!

Und wer sich nun fragt, wie es im Nazireich dazu kommen konnte, dass Millionen von Juden öffentlich aus ihren Wohnungen deportiert werden konnten, deren Geschäfte ruiniert wurden, Synagogen verbrannt wurden, aber auch Juden auf offener Strasse erschossen bzw. gelyncht wurden und Millionen von Deutschen dies duldeten, der weiß es nun!

"Genauso, wie in Emden vor der Polizeiwache, liebe Leser, und einem Umfeld, was tatenlos zusah!"

Aber wie schön, dass wir uns über die Aufstellung einer Reiterstatue ganz offensichtlich mehr echauffieren können, als über einen 17-jährigen Unschuldigen, der gelyncht werden sollte.

Euer

Uwe Brandhorst

P.S.: Sämtlichen Äußerungen, Behauptungen, etc. in dieser Kolumne und der aus der Vergangenheit sind persönliche Meinungen des Unterzeichners und seiner Mitstreiter und
keine Tatsachenbehauptungen, um damit vorsorglich Medienjuristen die Möglichkeit zu nehmen, durch juristische Spitzfindigkeiten Prozesse anzuzetteln, um den überlasteten Gerichten und uns die Zeit zu stehlen, für Nebenkriegsschauplätze, die ohnehin niemanden interessieren bzw. den Kern der Aussagen dieser Internetveröffentlichung, nach unserer persönlichen Auffassung, verfehlen.

Zitat Napoleon der I. sagte einmal:
" Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind und zu feige , es zu sagen. "