Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

Ab sofort können Sie sich die Ausgaben ausdrucken und bequem im Sessel lesen. Allerdings ist dies nur ohne hinterlegte Links möglich.
Zum Ausdruck hier

Zurück

Uwe Brandhorst Wardenburg, den 12.12.2009
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

Volles Verständnis, Herr Seelheim?

Sorry, Herr Seelheim, das haben wir nicht!

Wenn der neue Verteidigungsminister, Karl Theodor zu Gutenberg, wenige Tage nach Amtsantritt (6.11.2009) zu dem Ergebnis kommt, dass der Luftangriff auf die Tanklastzüge "militärisch angemessen" war, dann muss man als objektiver Beobachter zu dem Schluss kommen, dass Herr Gutenberg seine Schularbeiten nicht richtig gemacht haben kann, wenn er rund vier Wochen (03.12.2009) später zu dem Ergebnis kommt, dass aus seiner Sicht der Luftangriff auf die Tanklastzüge angesichts der hohen zivilen Opfer militärisch nicht mehr als "angemessen" angesehen werden kann.

Diese Rolle rückwärts ist für einen Minister absolut unakzeptabel.

Denn es ging hier nicht um den Irrtum, ob ein paar Brötchen mit Mortadella belegt wurden, anstelle von Konfitüre, sondern, ob die zivilen Opfer bei diesem Luftangriff, wenn überhaupt (!), im Ergebnis zum militärischen Erfolg standen.

So zumindest schreiben es die Regeln für die Isaf-Truppen vor, dass (…) Kommandeure den durch direkte Luftunterstützung erzielten Gewinn gegen die Kosten ziviler Opfer abwägen müssen, ob der langfristigen Erfolg der Mission durch den Luftangriff eher erschwert wird, weil das afghanische Volk durch die zivilen Opfer gegen die Isaf-Truppen aufgebracht wird (…)".

Frage: Ab wie viele zivile Opfer auf der Kostenseite (!) kommt man bei einem Luftangriff in die Gewinnzone (!)?

Makaber, liebe Leser? Aber so sind die Regeln für die Isaf-Truppen.

Hinzu kam, dass der Verteidigungsminister, Karl Theodor zu Guttenberg, als Begründung seiner revidierten Einschätzung, dass der Luftangriff nur deshalb nicht mehr als "militärisch angemessen" anzusehen ist, weil ihm angeblich wichtige Informationen vorenthalten wurden.

Egal, ob Herrn Gutenberg Informationen vorenthalten wurden, oder auch nicht, so hätte Herr Gutenberg zumindest über die Tragweite seiner Aussage sich im Klaren sein müssen, welche Außenwirkung eine derartige öffentliche Erklärung aus seinem Munde nach sich ziehen würde, dass der Luftangriff aus seiner Sicht "militärisch angemessen" gewesen sei, zumal es zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen dringenden Handlungsbedarf (!) für eine derart weit reichende Erklärung gab!

Der Eindruck ist nun nicht mehr von der Hand zu weisen, dass Herr Karl Theodor zu Gutenberg, wohlgemerkt als Verteidigungsminister unserer Streitkräfte (!), sich gerade bei diesem brisanten Thema nicht ausreichend informiert hatte und vollkommen übereilt und ohne Zeitdruck sich zu dieser inakzeptablen Aussage hinreißen ließ.

Dies mit dem Wissen, wie sich nun nachträglich herausgestellt hat, dass bei diesem Luftangriff 142 Menschen ums Leben kamen und bereits Gerüchte im öffentlichen Raum kursierten, dass eben doch zivile Opfer unter den Luftangriffsopfern waren, was vorher vehement von allen Seiten aus den Ministerien bestritten wurde.

Es gab umfassende Berichte von Feldjägern im Ministerium die angeblich der zurückgetretene Minister Jung nicht gefunden haben will, wie es in der Financial Times Deutschland (FTD) nachzulesen war.

Demnach hat Herr Karl Theodor zu Gutenberg ebenso fahrlässig wie Herr Jung, wenn nicht sogar schlampiger als sein Vorgänger, seine Aufarbeitung zu diesem Thema bei Amtsantritt begonnen, dass es zu dieser Fehleinschätzung über die Bewertung einer militärischen Angemessenheit des Luftangriffes bei Kundus kommen konnte.

Dieses Nichtwissen, ob bewusst oder auch nicht, führte bei Herrn Jung zum Rücktritt und müsste bei sachlicher Betrachtung auch bei Herrn Karl Theodor zu Gutenberg die gleichen notwendigen Konsequenzen nach sich ziehen, zumal der Bericht des Roten Kreuzes Herrn Karl Theodor zu Gutenberg vorlag, dass unter den Luftangriffsopfern sich auch 74 zivile Opfer befanden.

Die Begründung von Herrn Karl Theodor zu Gutenberg hinkt demnach, wenn er nun behauptet, dass der Luftangriff "militärisch nicht angemessen " war, obwohl Herr Karl Theodor zu Gutenberg nun nachweislichen wusste, dass beim Luftangriff auch 74 zivile Opfer ums Leben kamen.

Die 74 zivilen Opfer können demnach nicht der Grund gewesen sein, weshalb Herr Karl Theodor zu Gutenberg zu dem revidierten Ergebnis kam, dass der Luftangriff "militärisch nicht angemessen" war.

Was waren also die tatsächlichen Beweggründe von Herrn Karl Theodor zu Gutenberg seine voreilige Einschätzung zu ändern?

Wieso schweigt Herr von und zu Gutenberg hierzu erneut und wann hört diese Salamitaktik in Sachen "Öffentlichkeitsinformation" zu diesem Thema endlich auf?

"Volles Verständnis" zu diesem Thema, egal in welche Richtung, haben wir schon lange nicht mehr, Herr Seelheim.

Rücktritt wäre für eine Person des deutschen Adels wohl eher die angemessen Form des Anstands gewesen.

Abschließend ist ohnehin die Frage zu stellen, weshalb über Jahre der alte Verteidigungsminister Jung von Aufbauhilfe der deutschen Soldaten in Afghanistan sprach, obwohl deutsche Soldaten nicht nur schießen dürfen, wenn sie angegriffen werden, sondern auch inzwischen schießen dürfen, wenn Gefahr droht (präventiv).

Um Missverständnissen vorzubeugen sei an dieser Stelle erklärt, dass deutsche Soldaten sich natürlich verteidigen sollen und auch müssen, wenn ihr Leben oder das ihrer Kameraden in Gefahr ist.

Aber die Frage sei gestattet: Welchen Auftrag haben eigentlich unsere Soldaten in Afghanistan? Aufbauen und/oder Krieg führen?

Bis vor kurzem durften deutsche Soldaten noch nicht einmal schießen, als Gefahr für sie drohte, sondern erst dann, als sie angegriffen wurden.

Was sind das für Rahmenbedingungen für unsere Soldaten in Afghanistan die unter Einsatz ihres Lebens Deutschland am Hindukusch verteidigen?

Erst dann schießen, wenn die Extremisten ihre Maschinengewehre in Stellung gebracht haben und die ersten Schüsse fallen? Bei vorzeitigem Schusswechsel deutscher Soldaten droht eine Rechtsverfolgung in Deutschland! Kaum zu glauben!

Darüber hinaus fragen wir uns: Was haben Luftangriffe mit zivilen Opfern mit Aufbauhilfe zu tun?

Deutsche Soldaten betreiben in Afghanistan Offensivoperationen gegen Extremisten, die inzwischen zu 30 Toten deutschen Soldaten geführt haben, die doch angeblich Aufbauhilfe leisten sollen indem sie die Infrastruktur von Afghanistan wieder aufbauen in Form von Bau von Brücken und Brunnen, Schulen und Krankenhäusern, sowie der Ausbildung von Sicherheitskräften.

Der Luftangriff, wonach 70 feindliche Kräfte ums Leben kamen, lt. einer Meldung der Nato, war ein Offensivangriff und somit nicht mit dem Mandat durch den Bundestag gedeckt.

Ein Land, das Offensivangriffe in einem fremden Land vollzieht, befindet sich im Krieg, wie wir meinen!

Deutschland befindet sich demnach im weiteren Sinne in einem Angriffskrieg und verstößt demnach nicht nur gegen den Mandatsauftrag des deutschen Bundestages, sondern auch gegen das Grundgesetz!

So schrecklich es ist, aber in einem Land, wo nach fast einem Jahrzehnt nach wie vor Terror und Gewalt regiert, und die Regierung noch nicht einmal in der Lage ist demokratische Wahlen abzuhalten, was wollen wir da eigentlich noch und welchen Preis haben wir für diesen Ist-Zustand inzwischen bezahlt bzw. werden wir hierfür noch zahlen?

Darüber hinaus geben wir zu bedenken, dass in einem Land mit diesen katastrophalen Zuständen bedauerlicherweise es zu zivilen Opfern kommt.

"Kriegsähnliche Zustände", wie es Herr Gutenberg so treffend umschreibt, haben zivile Opfer zur Folge. Erst recht, wenn sich Zivilpersonen beim Diebstahl von Benzin sich unter die feindlichen Kräfte begeben und damit rechnen müssen, durch Gegenwehr der anderen Seite ums Leben zu kommen.

Das ist Krieg, so bedauerlich es klingt, aber es ist so!

1.400 Zivilisten starben bisher durch Taliban Einsätze gegen die Isaf-Truppen.

Auch das ist Krieg, die mit Sicherheit nicht diese Aufmerksamkeit und Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen erhalten, wie die nun bei dem Luftangriff zu Tode gekommenen Zivilpersonen bei Kundus.

Dies ist keine Erklärung oder Entschuldigung für die zu Tode gekommenen Zivilpersonen, sondern eine nackte Tatsache dieses Kriegszustandes in Afghanistan in dem Deutschland engagiert ist.

Bedauerlich, aber leider wahr!

Volles Verständnis, Herr Seelheim?

Leider bei uns volle Fehlanzeige, Herr Seelheim und das so ziemlich in allen Bereichen was Afghanistan angeht!

Euer

- Uwe Brandhorst -


Zurück