Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 11.03.2009
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
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Auf ein Wort liebe Wardenburger!

Mit Vorsicht sollte man als Leser die Seriosität von veröffentlichten Daten genießen, sofern sie nicht belegt werden.

Und was einem da so tagtäglich an Zahlen von den Medien serviert wird, ist bei näherem Hinschauen schon eine Zumutung, weil einem der gesunde Menschenverstand schon sagt, dass die auf dem Papier veröffentlichten Daten die Druckerschwärze nicht Wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.

Als ebenso schlimm empfinde ich es, wenn Daten veröffentlicht werden, die ungeprüft an den Leser gelangen bzw. ohne eine entsprechende Kommentierung.

Und hier unterscheidet sich für meinen Geschmack die Qualität der verschiednen Medien.

Wobei ich zugeben muss, dass die gesamte Medienlandschaft ein eher trauriges Beispiel abgibt, wie leichtfertig sie mit Daten in der Öffentlichkeit umgehen und ganz offensichtlich deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen.

Wie zum Beispiel kann es angehen, dass die Bundesregierung für das Jahr 2009 in einem Zeitraum von November 2008 bis zum 29.04.2009 ein Wirtschaftswachstum von plus 1,2 Prozent bis minus 6 Prozent veröffentlichte?

Eine Bandbreite von 7,2 (!) ist keine Werbung für eine seriöse, und damit verbundene, kritische Berichterstattung!

In einer Kommentierung vom 22.01.2009 meinte der NWZ Redakteur Rüdiger zu Klampen noch, dass auf Grund eines veröffentlichten Wirtschaftsberichtes von dem damaligen Wirtschaftsminister Michael Glos, der (...) Konjunktureinbruch tief ist, aber kurz. Bereits im Frühjahr 2009 könnte es mit der Konjunktur wieder leicht aufwärts gehen (…).

Ich frage mich, wie kann man als Redakteur so leichtgläubig sein? Am 24.01.2009 habe ich in meiner Internetausgabe diese Angaben der Wirtschaftsbelebung lt. Herrn Glos öffentlich verhöhnt.

Ich bin kein Wirtschaftsexperte und kann mit Sicherheit nicht auf eine derartige Datenbank zurückgreifen, wie es Herr zu Klampen von der NWZ kann. Aber wieso wusste ich es besser als der gelernte Redakteur zu Klampen?

War es nun so schwer zu erkennen, dass es keine Wirtschaftsbelebung im Frühjahr 2009 geben wird, wie es unser damaliger Wirtschaftsminister Michael Glos prophezeite?

Umsatzeinbrüche weltweit, rund 30 Prozent Exportrückgang, Firmenpleiten, Kurzarbeit, Finanzkrise, ansteigen der Arbeitslosenzahlen, 50 Milliarden höhere Staatsverschuldung, etc. sind schon seinerzeit eine unumstößliche Faktenlage gewesen, die auch für einen Otto Normalverbraucher wie ich es bin, klar erkennen ließen, dass die Aussage über die Ankündigung einer Wirtschaftsbelebung für das Frühjahr 2009 ausschließlich nur für Leichtgläubige durchaus genügend Substanz bieten würde. Für Bürger mit einem gesunden Menschenverstand sind derartige Aussagen eines Herrn Glos wohl eher Anlass die Qualität einer solchen fragwürdigen Ankündigung zu hinterfragen und gleichzeitig die möglichen Absichten einer derartigen Volksverdummenden Äußerung eines gewählten Volksvertreters öffentlich zu kritisieren, wie ich es in meiner Internetveröffentlichung getan habe!

Peinlich wird der gesamte Vorgang dann noch, wenn Herr zu Klampen in einem weiteren Kommentar vom 30.4.2009 meint, dass (…) man aus früheren Rezessionen es kennt, dass das ganze Ausmaß anfangs weder von den Wirtschaftsforschern noch von der Regierung eingeräumt wird (…), um die Menschen nicht zu beunruhigen (…).

Das tut schon weh, verehrter Herr zu Klampen!

Zum einen scheint ja nun auch die NWZ nach der letzten Kommentierung von Herrn zu Klampen zu denjenigen zu gehören, die zwar wussten, dass es keine Frühjahrsbelebung in der Wirtschaft geben wird, wie es Herr Glos angekündigt hat, jedoch diese Falschmeldung ihren Lesern über einen Kommentar durchaus schmackhaft machte, um die NWZ Abonnenten nicht zu beunruhigen.

Zum anderen scheint Herr zu Klampen diese Art der Veröffentlichung von falschen Fakten durch die Bundesregierung durchaus eine gewisse Sympathie abzugewinnen, in dem Herr zu Klampen nicht in seinem Kommentar diese, für meine Begriffe miserable Informationspolitik eines Bundesministers (!), öffentlich kritisiert, sondern eher verteidigt, um, wie es Herr zu Klampen in seinem Kommentar so schön formuliert, die Bürger nicht unnötig zu beunruhigen.

Dass bei dieser Art von Journalismus, wie es Herr zu Klampen ganz offensichtlich bevorzugt, der Bürger bevormundet bzw. ohne sein Wissen entmündigt wird, wäre für mich ein weiterer Grund, diese Zeitung umgehend abzubestellen bzw. dort zu entsorgen, wo sie für meine Begriffe schon seit Jahren hingehört: In die grüne Mülltonne!

Da lobe ich mir doch den Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Professor Norbert Walter der am 24.01.2009, also zwei Tage nach Herrn Glos Wirtschaftsbelebungsprognose für das Frühjahr 2009, ein Minuswachstum von fünf Prozent voraussagte, womit er durchaus ganz offensichtlich richtig lag, weil diese Wirtschaftsprognose von Herrn Professor Walter nun die Bundesregierung am 29.04.2009 bestätigte, indem sie sogar ein Minuswachstum von 6 Prozent für das Jahr 2009 voraussagt hat.

Zu bedenken geben möchte ich noch an meine Leser, dass die SPD, als Teil der Bundesregierung (!), Herrn Professor Walter für seine Prognose über einen Umsatzeinbruch im Jahr 2009 in Höhe von 5 Prozent, als "Katastrophen-Prognostiker" beschimpfte.

Nun überbieten die gleichen SPD Politiker sogar noch die negativen Wirtschaftsdaten des Herrn Professor Walter!

Paradox ist manchmal die Welt der Politiker und Teile der Presse, sowie der Wirtschaft, die mit Parolen durch die Lande ziehen, wie zum Beispiel "Schwarzmalerei", bis hin zu "Bange machen" gilt nicht und sich dadurch für meinen Geschmack gegenseitig die Taschen voll lügen, um die Bürger angeblich vor zu negativen Wirtschaftsdaten zu schützen und nicht zu beunruhigen.

Denn es ist auch Herr zu Klampen gewesen, der seinerzeit zusammen mit seinem Chefredakteur Rolf Seelheim das sagenhafte Interview mit Herrn Kaulvers von der Bremer Landesbank führte, der meinte, dass der Nordwesten bestens aufgestellt ist und zu Pessimismus kein Anlass bestehe, sowie das ungünstige Prognosen zur Konjunktur wenig hilfreich seien und teilweise unseriös. Von Schwarzmalerei halte Herr Kaulvers nichts und Angst ist ein schlechter Berater, so konnte man weiter in diesem "gelungen" Interview der NWZ lesen.

Herr Kaulvers von der Bremer-Landesbank: "Der Nordwesten ist gut aufgestellt".

Dazu die jüngsten Schlagzeilen aus der NWZ:

NWZ 02.05.2009: Erste Wolken am regionalen Arbeitsmarkt
NWZ 29.04.2009: IHK Konjunkturumfrage: Stimmung in Region eingetrübt
NWZ 17.04.2009: Hannover Messe: Aussteller stark verunsichert
NWZ 09.04.2009: Autohersteller Karmann Pleite
NWZ 08.04.2009: Kurzarbeit in immer mehr niedersächsischen Betrieben / 1828
Unternehmen mit 46 315 Beschäftigte
NWZ 03.04.2009: IHK Paket für Firmen in der Krise
NWZ 31.03.2009 Schiffsbranche sucht Rettungsring

Diese Negativliste könnte man beliebig weiterführen, was ich mir jedoch erspare.

Die Frage stellt sich doch nun, ist es seriös der Öffentlichkeit die Wahrheit vorzuenthalten bzw. besseren Wissen die Wahrheit zu verschweigen und diejenigen die die Wahrheit sagen öffentlich als unseriös zu bezeichnen, oder ist es besser, wie es Herr Professor Walter getan hat, allen zu sagen, was Fakt ist?

Ich finde der Bürger hat ein Anrecht auf die Wahrheit, um sich dann auch richtig und vor allem rechtzeitig auf die neue Situation einstellen zu können.

Bemerkenswert ist, dass diejenigen die die Wahrheit sagen öffentlich in den Schmutz gezogen werden. Umgekehrt werden allerdings diejenigen, die der Öffentlichkeit die Unwahrheit sagen, von Gott und den Rest der Welt in den Himmel gehoben und in den Medien hofiert, dass man sich vor lauter Verwunderung immer wieder die Augen reiben muss, ob man nun träumt oder sich einmal mehr in der nackten Realität befindet.

Irgendwie kommt mir das alles so bekannt und vertraut vor.

An dieser Stelle noch schöne Grüße zur NWZ Chefetage und in ihre Lokalredaktion nach Wardenburg, sowie ins Wardenburger Rathaus.

Ihr

Uwe Brandhorst

 

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