Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 06.06.2009
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

Das ich das noch erleben darf! Ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Der NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim hat in der Frankfurter Rundschau ein Interview gegeben, in dem er "den Grundgedanken, der zur Gründung des Presserates führte, nach wie vor für richtig hält".

Das sagt ausgerechnet (!) der Chefredakteur, der nach meiner persönlichen Einschätzung durch die Berichterstattung in der NWZ, wofür er als Chefredakteur die alleinige Verantwortung trägt, in steter Regelmäßigkeit gegen den Pressekodex des Presserats verstößt.

Der Leser glaubt mir nicht. Dann sollte er unter Google einmal die Worte "Presserat und NWZ" eingeben.

Es eröffnet sich ein wahres Eldorado von Beschwerden gegen die NWZ Berichterstattung über Falschveröffentlichungen, Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht, etc. die unter anderem zu schwerwiegenden Verstößen gegen den Pressekodex führten, die folglich durch den Presserat ihre Missbilligung fanden.

Wenn der Presserat zu dem Ergebnis kommt, dass Missstände bei einer Veröffentlichung zu beklagen sind, haben sich die Herausgeber, die Mitglied im Presserat sind, nach § 15 der Beschwerdeordnung dazu freiwillig verpflichtet, sofern sie der Presserat auf Grund einer fehlerhaften Veröffentlichung gerügt haben, dass die Publikation in angemessener Form richtig gestellt wird, in dem die Rüge des Presserats veröffentlicht wird.

Wieso, frage ich mich, veröffentlicht die NWZ unter ihrem Chefredakteur Rolf Seelheim die zahlreichen Rügen des Presserats dann nicht?

Oder besser gefragt: "Wieso finden Sie, Herr Rolf Seelheim, den Grundgedanken des Presserats für richtig, wenn sie sich nicht an den Pressekodex halten bzw. gegen ihn regelmäßig verstoßen, wie ich finde, und die Rügen des Presserats lt. § 15 der Beschwerdeordnung des Deutschen Presserats nicht wie vorgeschrieben in ihrer Zeitung veröffentlichen?"

Als "Schlicht nicht akzeptabel", bezeichnet Herr Seelheim weiter in seinem Interview, "wer Veröffentlichungen aus kommerziellen Interessen Dritter akzeptiert". Herr Seelheim ist "kein Fall dieser Art aus Redaktionen nationaler oder regionaler deutscher Zeitungen in den letzten Jahren bekannt".

Mir aber!

Wie verhält es sich zum Beispiel in dem Fall, wenn ein Zeitungsverlag Eigentümer oder Miteigentümer eines Unternehmens ist, was nichts mit dem Zeitungsgewerbe zu tun hat, aber in der lokalen Presse permanent auf dieses Unternehmen hingewiesen wird und entsprechende Lobeshymnen über dieses Unternehmen stattfinden?

Werbung in eigener Sache führt zu mehr Umsatz und füllt die Geldtaschen der Verlagseigentümer, die gleichzeitig Anteile an artfremden Unternehmen unterhalten, für die sie kostenlos werben. Ist doch logisch, oder Herr NWZ Chefredakteur Rolf Seelheim?

Beispiel gefällig?

Die NWZ berichtet in ergötzender Art und Weise in ihren Lokalredaktionen von Singleparty-Veranstaltungen. Veranstalter ist www.fischkopf.de.

Wissen muss man, dass die NWZ im Jahr 2007 Geschäftsanteile des Singleparty-Veranstalters "Fischkopf" erwarb (siehe taz.de "Fisch sucht Leser vom Redakteur Felix Zimmermann).

Klar ist nun auch jedem, wie die lokale Berichterstattung im Vorfeld und als Nachberichterstattung zu diesen Veranstaltungen ausfällt.

Hier fließt zwar nicht direkt Geld zwischen einer Redaktion und einem Unternehmer über dem lokal berichtet wird. Dennoch fließt nach meiner Meinung hier doch indirekt Geld an die Redaktion. Denn die kostenlose Werbung ist ein finanzieller Vorteil für den Singleparty-Veranstalter "Fischkopf" an dem die NWZ geschäftlich beteiligt ist. Es erfolgt also nach meiner Meinung eine Bezahlung an die Redaktion, weil über die kostenlose Berichterstattung, der Erfolg der Singleparty vorprogrammiert ist und somit das Geschäftsergebnis verbessert wird, wodurch die Verlagseigentümer "Köser, von Bothmer & Co." wiederum finanziell profitieren.

Weiteres Beispiel gefällig?

Die Citipost ist ein Unternehmen der NWZ!

Und auch hier berichten die Lokalredaktionen in steter Regelmäßigkeit, wie toll die Citipost doch ihre Aufgaben zum Wohle der Bürger erledigen. Bestätigt wird diese Aussage sogar noch von Bürgermeistern in den jeweiligen Regionen, die sich für diese Schleichwerbung auch noch öffentlich ablichten lassen und hierzu auch noch eine persönliche Kommentierung zur Citipost abgeben.

Werbung in eigener Sache? Schleichwerbung? Wird hier nicht für eine lokale Berichterstattung indirekt an die Redaktion bezahlt, weil Nutznießer dieser Werbung in eigener Sache die NWZ als Eigentümer der Citipost ist?

Ich finde schon! Hier fließt zwar nicht direkt Geld an den Verleger, jedoch über die kostenlose Werbung. Zumindest indirekt, wie ich meine.

Damit ist die lokale Berichterstattung in der NWZ käuflich geworden, wie ich glaube!

Wer Veröffentlichungen aus kommerziellen Interessen Dritter akzeptiert, hat lt. dem Interview in der Frankfurter Rundschau von Herrn Rolf Seelheim in der Zeitungsredaktion nichts zu suchen.

Die logische Folgerung wäre nun: "Wann packen Sie Ihre Koffer, Herr Seelheim?"

Ich finde Herr Seelheim ist schuldig im Sinne der Anklage in allen Punkten!

Der Knaller zuletzt!

Weiter meinte Herr Seelheim als NWZ Chefredakteur in seinem Interview, dass "Zeitungen ihre Glaubwürdigkeit auch dann gefährden, wenn sie nicht mehr berichten dürfen, was sie wissen und was Leser wissen möchten. (…) Der größte mediale Unfall ist eingetreten, wenn die Einwohner einer Stadt durch Hörensagen mehr erfahren als die Leser einer Zeitung.

Oh, das tut schon weh, Herr Seelheim

Ist die Glaubwürdigkeit eines Herrn Seelheim nicht in dem Augenblick nur gefährdet gewesen, sondern bereits um Lichtjahre abhanden gekommen (!), als Herr Seelheim zwar wusste, dass die NWZ gegen das Bundeskartellrecht sogar wissentlich verstoßen hatte und dafür 2,7 Mio. Euro Bußgelder zahlen musste, dies aber seinen Lesern bis heute nicht mitteilte?

"Ich finde schon, Herr Seelheim! Sie haben etwas gewusst, was Leser gerne wissen möchten! Wieso veröffentlichten Sie nicht, Herr Seelheim, was Sie bereits seit Jahren wissen?"

Wenn die Glaubwürdigkeit lt. Herrn Seelheim gefährdet ist, wenn ein Chefredakteur nicht mehr berichten darf was er weiß, stellt sich die folgende Frage: "Wer hat Herrn Seelheim angewiesen in diesem Punkt seine Leser über das rechtswidrige Verhalten von "Köser, von Bothmer & Co." nicht zu informieren, oder hat Herr Seelheim aus persönlichen Interessen die Rechtsvergehen der NWZ gedeckt und deshalb nichts in seiner Zeitung veröffentlicht?"

Beide Varianten sprechen auf jeden Fall für meinen Geschmack nicht für einen Chefredakteur, der solche Sprüche in Form eines Interviews in der Frankfurter Rundschau ablässt.

Die Glaubwürdigkeit der NWZ und ihres Chefredakteurs Rolf Seelheim sind für meinen Geschmack durch die permanenten Verfehlungen in der Berichterstattung nach dem Pressekodex nachhaltig irreparabel zerstört.

Darüber hinaus dürfte für meinen Geschmack der "größte mediale Unfall" für die NWZ bereits seit Jahren eingetreten sein, weil nach meiner Meinung die Einwohner nicht nur in Wardenburg durch Hörensagen mehr erfahren als durch das Lesen der NWZ.

Beleg hierfür ist das wachsende Interesse an dieser Seite, wo Woche für Woche an Hand von Fakten belegt wird, was es Neues aus der Medienlandschaft in unserer Region zu berichten gibt und welche journalistischen Fehlleistungen die NWZ in ihrer Berichterstattung zu verantworten hat.

Nach dieser entlarvenden Faktenlage dürfte es für Herrn Seelheim eigentlich nur noch eins geben: "Koffer packen und ganz leise die Tür hinter sich schließen!"

Zum Abschluss die Lachnummer des Tages:

In den Presserat wurde unter anderem der NWZ Redakteur Jan Lehmann gewählt der lt. einer Presseveröffentlichung viel Beifall für sein Plädoyer erhielt, sich für mehr Lokaljournalismus einzusetzen und gegen Schleichwerbung, sowie Sensationsberichterstattung zu kämpfen.
Abgebildet ist Herr Lehmann mit einem Glas Bier, dass er sich nach der Wahl gönnte.

Meine Kommentierung dazu: "Prost, Jan! Fang mal gleich in Wardenburg bei Deinem Kollegen Werner an!"

Euer

Uwe Brandhorst

P.S.: Ganz verstehen kann ich die Frankfurter Rundschau ja auch nicht, wie sie einen Herrn Seelheim als NWZ Chefredakteur interviewen kann. Denn die Frankfurter Rundschau veröffentlichte einen Bericht über die Bundeskartellamtsdurchsuchungen bei der NWZ, worüber Herr Seelheim nicht berichtete. Wie man so einen in Sachen Presserat interviewen kann, der für meine Begriffe maßgeblich mit dafür verantwortlich war, dass das NWZ Monopol überhaupt in unserer Region sich über ein Jahrzehnt in aller Stille auf rechtswidrigen Füssen entfalten konnte, bleibt mir ein Rätsel. Denn mit dieser Vergangenheit ist nach meiner Meinung Herr Seelheim mit Sicherheit kein Repräsentant für eine ausgewogene, neutrale und überparteiliche Berichterstattung die sich einer freiwilligen Selbstkontrolle des Presserats unterordnet! Mit dieser Vergangenheit wäre Herr Seelheim für mich der letzte Interviewpartner auf der gesamten Welt, den man befragen sollte, über die Vor- und Nachteile des Presserats.

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