Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell engl. Schriftsteller

Auf ein Wort

liebe Wardenburger

aktualisiert am:

04.06.2011

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Uwe Brandhorst Wardenburg, den 03.06.2011
Hardenbergstr. 5
26203 Wardenburg
Tel. 04407/6369
Fax 04407/8459

Auf ein Wort liebe Wardenburger!

Der französische Schriftsteller Stéphane Hessel, geb. 1917 in Berlin, der unter anderem auch an der Charta der Menschenrechte mitwirkte, sagte in einem Interview der Zeitung "Die Zeit", vom 01.Juni 2011: (…) Wir stehen auf einer Schwelle. Wir brauchen einen neuen Aufbruch, und wahrscheinlich steht vor einem neuen Aufbruch, ebenso in der Philosophie wie in der Politik, das Gefühl der Bürger: So geht es nicht weiter. Um über die Schwelle zu gelangen, brauchen wir neue grundlegende Werte."

Weiter meinte der französische Schriftsteller Stéphane Hessel in dem Interview: "In meiner Generation war es schön, dass das Schlimme klar war. Es war klar, wogegen wir kämpften. Heute müssen wir gegen vieles zugleich kämpfen. Aber wir wissen nicht recht, wie. Wir stehen mit starken Finanzmächten da und schwachen Regierungen. Aber wir brauchen die Regierungen, weil wir Bürger nur über sie mit einem neuen Denken Einfluss nehmen können (…)."

Was für weise Sätze die seines Gleichen suchen!

Oder vielleicht doch nicht?

Stehen wir wirklich an einer "Schwelle des Aufbruchs", weil es nicht mehr so weiter geht?

Wenn dem so wäre, wie es uns der französische Schriftsteller Stéphane Hessel in seinem Interview versucht zu vermitteln, fragen wir uns: "Wie lange stehen wir denn auf der besagten "Schwelle des Aufbruchs" schon und wie lange werden wir noch weiter darauf stehen? Oder sind wir womöglich schon einen Schritt weiter und befinden uns im freien Flug nach unten?"

Wir meinen, wenn wir jemals tatsächlich auf der besagten "Schwelle des Aufbruchs" stehen sollten, was wir im Übrigen ernsthaft bezweifeln (!), werden wir mit dieser Gesellschaft und dieser Regierung noch Lichtjahre brauchen, um jemals den Absprung von der "Schwelle zum Aufbruch" zu schaffen, um die Änderungen umzusetzen, die schon längst überfällig sind.

Denn der deutsche "Michel" ist zu dumm, solange er gut in Futter ist und sein "Weizen" vor sich hat.

Die Gleichgültig der Gesellschaft ist dermaßen hanebüchen, dass die Politik schon gar keine großartigen Anstalten mehr macht in aller Öffentlichkeit ihre Beschlüsse, die an Dämlichkeit kaum mehr zu überbieten sind, großartig versucht zu vertuschen oder zu verschleiern, sondern froh, fröhlich, frei Aussagen, Erklärungen und Gesetze formulieren, wohl wissend, dass sich ohnehin niemand mehr darüber aufregt, wie blöd ihre Aussagen und verabschiedeten Gesetze für die Bürger im täglichen Leben sich tatsächlich darstellen.

Mit anderen Worten: Ist die Aussage oder der Beschluss noch so dumm, es merkt ja keiner!
Und in diesem Verdummungsprozess machen die Profiteure alle mit, weil inzwischen alles untereinander miteinander vernetzt ist.

Konzernbosse, Banken, Gerichtsbarkeit und die Medien sind politisch unterwandert bzw. pflegen beste Kontakte über Lobbyisten in die höchsten Etagen der Regierung und schreiten in Folge dessen im Gleichmarsch durch dieses Land zum Wohle für sich selbst und der deutsche "Michel" ist ein braver Soldat der sich ausnehmen lässt, wie eine Weihnachtsganz und obendrein auch noch von der Obrigkeit für dämlich gehalten wird, was der deutsche "Michel" mit einem wohlwollenden Kopfnicken brav über sich ergehen lässt.

Wir standen nie auf einer "Schwelle des Aufbruchs" und werden niemals auf der besagten "Schwelle" stehen.

Und sollten wir es jemals schaffen auf dieser "Schwelle des Aufbruchs" zum Stehen zu kommen, bedarf es nur eines lauen Lüftchens aus dem Kreise der Obrigkeit und der deutsche "Michel" wird rücklings dort wieder hinfallen, wo er hergekommen ist, um seiner Pflicht am Wohlergehen des deutschen Vaterlandes ohne Wehklagen nachzukommen.

Zu dick aufgetragen, liebe Leser?

Bei weitem nicht!

Das dumme ist nur, den Prozess der öffentlichen Verblödung durch die Obrigkeit, obwohl so offensichtlich (!), merkt der Bürger noch nicht einmal!

Beispiele gefällig, liebe Leser?

Das Bundeskartellamt stellte in einer dreieinhalbjährigen Studie fest, dass die Ölmultis ihre Benzinpreise nicht absprechen, womit sie den Mineralölgesellschaften auch noch auf Kosten der Steuerzahler einen Persilschein ausstellten (?!), sondern in "blinder Absprache" ihre Spritpreise gemeinsam anziehen, sofern nur ein marktbeherrschender Ölmogul seine Preise an den Zapfsäulen anhebt.

Der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will diesem Preistreiben der Ölmultis ein Ende setzen, indem er beabsichtigt eine Gesetzesvorlage in den Bundestag einzubringen, wodurch die Mineralölgesellschaften dazu verpflichtet werden, einen Tag vor möglichen Preisanhebungen bzw. Senkungen ihr Vorhaben öffentlich anzukündigen und diese Spritpreise einen Tag lang unverändert an den Zapfsäulen der Tankstellen gelten zu lassen.

Eine nahezu grandiose Maßnahme die sich unser Wirtschaftsminister da ausgedacht hat, mit dem Wissen, dass selbst im Ausland, wo diese Maßnahme bereits umgesetzt wurde, diese Gesetzesvorgabe vieles bewirkt hat, aber auf gar keinen Fall mehr Wettbewerb unter den Ölmultis, so dass es zu Preissenkungen bei den Benzinpreisen gekommen wäre.

Aber man braucht hier auch nicht die Erfahrungswerte anderer EU Länder um sich vor Augen zu halten, ob Preisankündigungen, sowie Preisbindungen für einen Tag an den Zapfstellen der Tankstellen nun für sinkende Benzinpreise führen könnten, sondern einfach seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, dass derartige Gesetzesvorhaben unseres Wirtschaftsministers Philipp Röslers an Dämlichkeit seines Gleichen sucht und lediglich dazu dienen sollen, dem Bürger vorzugaukeln, dass die Politik es nun den Ölmultis einmal ganz kräftig zeigen will, dass ein "so weiter so" mit ihnen nicht zu machen ist.

Dabei ist allein aus der Interessenlage aller Beteiligten vollkommen klar, dass steigende Benzinpreise sowohl für die Politik, wie auch für die Ölmultis für beide Seiten von Nutzen sind.

Die Gewinnmargen der Ölmultis steigen weiter an und der Finanzminister partizipiert durch steigenden Umsatz, aufgrund höherer Benzinpreise, von mehr Steuereinnahmen.

Wieso sollten beide Seiten, Politik wie auch die Ölmultis, an dieser Win-win-Situation etwas ändern?

Diese Tatsache für sich gesehen wäre schon für den deutschen "Michel" schlimm genug.

Was jedoch mindestens genauso schlimm ist, dass sich ein durchaus hoch intelligenter Philipp Rösler öffentlich hinstellt und seinen Mitbürger ernsthaft (!) erklärt, mit Preisvorankündigungen und Preisbindungen für einen Tag würde mehr Wettbewerb unter den marktbeherrschenden Mineralölgesellschaften entstehen.

Mit dieser Aussage des Wirtschaftsministers Philipp Röslers attestiert er dem Bürger geistig minderbemittelt zu sein.

Mit anderen Worten: Die geplante Gesetzesvorlage vom Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist eine Beleidigung an der Intelligenz jedes einzelnen Bürgers und diese Beleidigung findet auch noch in aller Öffentlichkeit statt, im vollen Bewusstsein und vollkommen ungeniert in voller Absicht!

Und jeder lässt es über sich ergehen!

Wir stehen an der "Schwelle des Aufbruchs"?

Nächstes Beispiel!

Die Politik beteuert immer wieder, dass die Soldaten in Afghanistan bestens ausgestattet sind und das an der Ausrüstung nicht gespart wird.

Am vergangen Donnerstag kam ein Soldat in Afghanistan ums Leben, der mit seinem Panzer des Typ Marders auf Bombensuche war, wo eine gewaltige Bombe am Straßenrand detonierte.

Es sei nun dahingestellt, ob mit einem gepanzerten Kampffahrzeug zum Aufspüren und Beseitigen von Sprengfallen, so genannte Route Clearance Packages, dieser getötete Soldat hätte gerettet werden können. Aber allein die Tatsache, dass die Bundeswehr in Afghanistan über solche gepanzerten Fahrzeuge mit Roboterarm lt. dem Wehrbeauftragten der Bundeswehr, Helmut Königshaus, seit dem zehnjährigen Einsatz in Afghanistan nicht ein einziges dieser Spezialfahrzeuge verfügt, im Gegensatz zu den Amerikanern, obwohl diese Panzerwagen immer wieder von Verantwortlichen der Bundeswehr gefordert wurden, zeigt wie verlogen und zugleich unglaublich unverantwortlich diese Politiker handeln, wenn sie das Leben unserer Soldaten so leichtfertig aufs Spiel setzen!

Bis heute wurde nicht ein einziger dieser Spezial-Panzerwagen lt. dem Bundeswehrbeauftragten Hellmut Könighaus in Auftrag gegeben und vor 2012 ist auch nicht mit einer Belieferung aus eigener Entwicklung dieser gepanzerten Spezialfahrzeuge zu rechnen.

Für uns sitzen im Bundestag und in den Ministerien zum Teil sogar an verantwortlicher Stelle (!) potenzielle Mörder, weil sie das Menschenleben von Soldaten in Afghanistan wegen fehlender Ausrüstung aus Mangel an Geld mit voller Absicht zu verantworten haben.

Wie viele von den inzwischen 52 getöteten Soldaten im Auslandseinsatz und verletzten Soldaten hätten durch den Einsatz derartiger Spezialfahrzeuge gerettet werden können?

Der deutsche "Michel" der bereitwillig von der Politik zur Schlachtbank geführt wird und es gibt kein Aufstand!

Wir stehen an der "Schwelle des Aufbruchs"?

Noch ein Beispiel, liebe Leser?

Nun, gut!

Nils Stolberg, der ehemals die weltgrößte Schwergutreederei Beluga gegründet hatte und leitete, frisierte seine Bilanzen, um an neues Geld heranzukommen.

Mit seinen frisierten Bilanzen hat sich der Großreeder Nils Stolberg zu strafrechtlich relevanten Taten hinreißen lassen, wie wir meinen, wodurch nicht nur sein Unternehmen mit seinen Mitarbeitern zu Schaden gekommen sind, sondern auch viele Lieferanten die nun auf ihren offenen Rechungen sitzen bleiben.

Ehrenwerte hanseatische Kaufmannskunst sieht mit Sicherheit anders aus!

Sei es drum!

Das fatale ist jedoch, dass diesem Bilanzfälscher nun auch noch Verdienste aus der Vergangenheit angerechnet werden, wo er als "Wohltäter für sein Lebenswerk" nach wie vor gefeiert wird!

So schreibt der NWZ Redakteur Frank Jungbluth in seinem Kommentar vom 28.05.2011: "(…) Dennoch kann man den einstigen Stern unter Deutschlands maritimen Unternehmern nicht untergehen lassen, ohne differenziert auf sein Leben und sein Werk zu blicken.
Stolberg war ein Selfmademan. Er hat sich aus Brake an der Unterweser zu den ersten Adressen in der Welt hochgearbeitet, und dabei nicht vergessen, woher er kommt. In Elsfleth, wo er sein Kapitänspatent erworben hat, ließ Stolberg das weltweit beste maritime Ausbildungszentrum bauen. Er wurde dafür Ehrenbürger der Stadt.
(…) Stolberg hat in den guten Zeiten seines Unternehmens gemacht, was viele bis heute würdigen. Er hat geteilt und abgegeben, gespendet und gesponsert. Das alles kann nicht verdecken, dass er sich womöglich zu strafrechtlich relevanten Taten hinreißen ließ, als er sein Unternehmen sein Lebenswerk, untergehen sah. Stolberg wird das alles in der Hoffnung getan haben, dass er die Folgen der Weltwirtschaftskrise doch noch überwinden kann. Das ist menschlich nachvollziehbar (…)."

Ist das tatsächlich "menschlich nachvollziehbar", wenn jemand sein Unternehmen vor die Wand fährt, weil er für schwere Zeiten keine Finanzreserven für sein Unternehmen geschaffen hatte, da er unter anderem überall den großen "Gönner" spielte?

Ist es tatsächlich "menschlich nachvollziehbar", dass trotz allem Herr Stolberg "Ehrenbürger" einer Stadt bleibt, obwohl der "Selfmademan" lt. Medien die Geschäftsbilanz seiner Reederei fälschte und sich Gelder erschlich, wodurch nicht nur Dritte zu Schaden kamen und nun, nachdem der Schwindel aufflog, viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verloren haben?

Ist es tatsächlich "menschlich nachvollziehbar", wenn unter diesen gegebenen Umständen die Verantwortlichen einer Stadt es ehrt, wie es der NWZ Redakteur, Frank Jungbluth, in seiner Kommentierung zum Ausdruck brachte, dass sie Herrn Stolberg seine "Ehrenbürgerwürde" nicht aberkennen werden?

Was ist das für eine Welt, indem sich Bürger, gleich welcher Klasse, als "Wohltäter" in Spendierhosen aufspielen und anschließend ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, obwohl sie rechtswidrig ihre Bilanzen frisierten um an frisches Geld zu kommen, was ihnen rein rechtlich gar nicht mehr zustand (!), aber trotzdem, zumindest von der NWZ und der Stadt Elsfleth (!), als "Ehrenbürger" weiterhin gelten sollten?

Ob die entlassenen Arbeitnehmer auch so über den "Selfmademan" Stolberg denken und die zahllosen Handwerker, etc. die auf ihren offenen Rechnungen sitzen geblieben sind, weil Herr Stolberg Insolvenz anmelden musste?

Wer ernsthaft glaubt, dass der deutsche "Michel" auf der "Schwelle des Aufbruchs" steht, der muss bei nüchterner Betrachtung erkennen, dass ein Schritt weiter von dieser "Schwelle des Aufbruchs" entfernt nur der Abgrund ins Bodenlose liegen kann.

Dem deutschen "Michel" wünschen wir schon heute einen guten Flug und hoffen für ihn, dass der Aufprall für ihn nicht so schmerzhaft sein wird.

Allerdings aus der Höhe ist dies für Realisten, die sich zumindest mit der Materie nur ein wenig auseinandergesetzt haben, kaum vorstellbar.

Zum Glück gibt es jedoch die Medien, die Finanzjongleure, die Politiker und marktbeherrschende Konzernbosse die Hand in Hand dafür sorgen, dass der deutsche "Michel" eine leichtgläubige Schlafmütze ist und auch bleibt mit dem man alles machen kann und er vor lauter Kerzennebel gar nicht merkt, wie er täglich aufs Neue durch den Kakao gezogen wird.

Sogar einen Bilanzfälscher als "Ehrenbürger" kann man dem deutschen "Michel" verkaufen, ohne dass er sich hiergegen ernsthaft zur Wehr setzt!

Euer

Uwe Brandhorst

P.S.: Sämtlichen Äußerungen, Behauptungen, etc. in dieser Kolumne und der aus der Vergangenheit sind persönliche Meinungen des Unterzeichners und seiner Mitstreiter und
keine Tatsachenbehauptungen, um damit vorsorglich Medienjuristen die Möglichkeit zu nehmen, durch juristische Spitzfindigkeiten Prozesse anzuzetteln, um den überlasteten Gerichten und uns die Zeit zu stehlen, für Nebenkriegsschauplätze, die ohnehin niemanden interessieren bzw. den Kern der Aussagen dieser Internetveröffentlichung, nach unserer persönlichen Auffassung, verfehlen.


Zitat Napoleon der I. sagte einmal:
" Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind und zu feige , es zu sagen. "